Fußballspiel des Lebens


Seminar. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mögen sich bitte ein ausverkauftes Fußballstadion vorstellen. Flutlicht an. Das Ländermatch läuft. Hochspannung pur.

"Wer seid ihr in diesem Fußballspiel, das eure momentane Lebenssituation symbolisiert? Wo steht ihr gerade? – Auf welcher Position etc.?" will ich wissen.

"Klare Sache! Ich bin Mittelstürmer mit Zug zum Tor!" antwortet der erste, der den Spitznamen "Maradona" trägt. – Allerdings nicht deshalb, weil er annähernd so gut Fußball spielt wie der legendäre Ballzauberer aus Argentinien, sondern weil er südamerikanische Wurzeln hat, schwarzhaarig, recht klein und etwas rundlich ist. Jedenfalls merkt unser Maradona an, dass er letztendlich immer danebenschießt. "Selbst dann, wenn ich einen Meter vor dem leeren Tor stehe."

"Ich sehe mich definitiv als Tormann", antwortet ein anderer Seminar-Teilnehmer. "Allerdings habe ich das Gefühl, dass gerade zehn Bälle gleichzeitig auf mich zukommen."

"Ich wurde soeben schwer gefoult, liege am Spielfeld und winde mich vor Schmerzen", zieht nun auch unser traditionelles "Opferlamm" den erwarteten sinnbildlichen Vergleich.

"Dass du verletzt bist, trifft sich ganz gut!", lächelt Opferlamms Sitznachbarin. "Ich sehe mich nämlich als Sanitäterin, als Helferin, die stets für andere da ist und bei der sich immer alle ausheulen."

Weitere Antworten aus dieser Übung zum Thema "Standort-Bestimmung im eigenen Leben":

"Ich habe von der Ersatzbank aus lange genug zugeschaut, stehe nun aufgewärmt an der Seitenlinie und warte darauf, endlich eingewechselt zu werden."

"Ich bin am ehesten ein Trainer! Ich erkläre den anderen nämlich immer, was sie besser machen müssen, habe aber nicht den Mut, selbst mitzuspielen und somit mein Leben aktiver zu gestalten."

"Ich fühle mich als Ball – als Spielball der anderen, auf den alle treten."

"Ich sehe mich als Schiedsrichterin! Allerdings achte ich wohl zu sehr auf etwaige ,Vergehen' anderer. Und auch bei meinen Dates zücke ich viel zu schnell die Rote Karte."

"Ich bin im Fansektor der gegnerischen Mannschaft! Dort bejuble ich demonstrativ mein Team und buhe das andere lautstark aus. Und ja: Ich provoziere gerne. Ich bin geradezu süchtig nach Aufmerksamkeit – und etwaige Schläge gewohnt."

"Ich hocke ebenfalls im Publikum; allerdings ganz hinten, ganz oben, am letzten Rang der Zuschauertribüne. Ich trinke Bier und esse Popcorn. Ich starre auf mein Handy-Display und ziehe mir Kurzvideos hinein. Was real, am Spielfeld, abläuft, interessiert mich nicht. Ich bin es gewohnt, in meinem Leben keine wirklich wichtige Rolle zu spielen."

Schlusspfiff.
Sitzkreis...


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