Wir haben bisher unglaublich viele Dinge freiwillig in unser Leben geholt oder gelassen. Schönes und weniger Schönes. Dies taten wir bewusst oder unbewusst.
Mit jeder Zuwendung, Zustimmung und Toleranz holen wir uns etwas ins Leben. Mit jedem Blickkontakt. Mit jedem Zuhören. Mit jeder Geste. Mit jeder Entscheidung. Sogar mit Gedanken.
Und dann werden wir die Geister, die wir riefen, nicht mehr (so leicht) los, nicht wahr?
Aber wir können sie wieder loswerden!
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein bedeutender Schritt in Richtung mehr Zufriedenheit und Ausgeglichenheit auf der Vereinfachung des Lebens, auf Reduktion und sogar auf freiwilligem Verzicht beruhen kann. – Auf konsequentem Verzicht auf all' das, was einem nicht (oder nicht mehr) guttut.
So habe ich es zum Beispiel durchgezogen, den Umgang mit gewissen Menschen zu reduzieren oder darauf ganz zu verzichten.
Welchen Personen setzen wir uns aus, die uns immer wieder hinunterziehen und uns einfach nicht guttun?
Wer darüber wirklich nachdenkt und daraufhin meint: "Eigentlich ist es gar nicht so schlimm, das halte ich schon aus", sollte bedenken, dass selbst ein winziges Leck ein großes Schiff ganz langsam sinken lassen kann. Anders gesagt: "Steter Tropfen höhlt den Stein."
Ist mir eine oft nörgelnde, maßregelnde, offenbar mit sich selbst unzufriedene bzw. gelangweilte Person wichtig, so versuche ich, sie, mit viel Zuwendung und Geduld, auf einen, für beide Seiten wesentlich angenehmeren, Weg zu führen. Schließlich möchte ich sie nicht verlieren.
Also bin ich dahinter, dass es diesem Menschen nach und nach besser geht – mit mir, mit anderen, vor allem aber mit sich selbst. Wenn jemand in seinem Grundrauschen negativ ist, so kann es ihm mit sich selbst einfach nicht gut gehen. Masochisten vielleicht ausgenommen.
Entsprechende Literaturtipps, positive, motivierende Gesprächsthemen, gelegentliche Überraschungen, mehr Zeit für sie nehmen, Perspektiven entwickeln: Es gibt unzählige Möglichkeiten, um zu versuchen, Menschen aus ihrer Negativspirale herauszulösen.
Wer häufig Negatives anspricht, fühlt sich oft einsam und/oder zu wenig wertgeschätzt; ist also arm.
Auch Gegenstände ausmisten, Entrümpeln – was mir anfangs nicht leichtfiel –, empfinde ich längst als entlastend und befreiend. Gleichzeitig wird damit Platz für Neues geschaffen.
Einmal besuchte ich einen internationalen Top-Manager. Sein Büro war weiß ausgemalt und ziemlich kahl. Auch auf seinem Schreibtisch befand sich praktisch nichts, ausgenommen sein Laptop. "Ich habe immer nur das vor mir, was ich gerade bearbeite", erklärte der erfolgreiche Manager. „Alles andere würde mich ablenken und meinen klaren Blick auf das Wesentliche trüben."
Jedenfalls, und das wissen wir, fließt unsere Energie, unsere Lebenskraft stets dorthin, wo unsere Aufmerksamkeit liegt. Wenn ich mich Negativem und Sinnlosem widme, so verschwende ich damit meine Zeit und Kraft.
In diesem Fall bleibt nur zu hoffen, dass noch genügend Zeit und Energie-Vorräte für wirklich wichtige Überlegungen, Entscheidungen und Handlungen zur Verfügung stehen.
Und dass Geist und Körper nicht ins permanente Energie-Defizit rutschen. Denn das könnte letztendlich sogar fachärztliche Konsultationen nach sich ziehen.
Dadurch, dass ich im Laufe meines Lebens nach und nach einiges weggelassen und vermieden habe, erschien mir mein Weg immer klarer.
Diese Eleganz des Weglassens, des Abwendens betrifft auch Personen, die mir via TV oder Video-Stream nicht mehr ins Haus kommen; die ich nicht mehr empfange. Zum Beispiel gewisse Politikerinnen und Politiker, die erfahrungsgemäß weder meinen Geist noch mein Herz bereichern. Tauchen derartige Leute via TV unvermutet auf, so zappe ich in der Sekunde weg.
Sich einfach abwenden und ignorieren – auch das ist Macht und zeugt oft von innerer Stärke.
Unangenehmes verliert häufig an Kraft, wenn ihm Energie entzogen wird. Ein unbeachteter Gast verflüchtigt sich gerne. Und ein Hund lernt daraus, wenn er bei einem unerwünschten Verhalten ignoriert wird...
Was nützt es meinem Leben, wenn ich mich der medialen Informationsflut mit all' dem Gebrüll aussetze?
Katastrophen-News. Panikmache. Brutale Verbrechen auf der einen Seite. Belangloser Tratsch und Klatsch, Lug und Trug auf der anderen. Was nützt es mir, wenn ich das alles erfahre, an mich heranlasse, mich deshalb ärgere oder darüber nachdenke und damit Zeit, Kraft und Energie vergeude?
Womit füttern wir unseren Geist? Was lassen wir alles zu? Weshalb zerstören wir nach und nach unsere Seele?
In der Regel überfliege ich die Schlagzeilen des Tages online – die Überschriften, aber kaum welche klicke ich an. Meine Sensationslust befriedigen? Das habe ich längst abgestellt. (Wenn mich etwas wirklich interessiert, recherchiere ich allerdings umfassend.)
Unmittelbar nach einem Terroranschlag, der für internationales Aufsehen sorgte, interviewte ich eine bekannte Schauspielerin. Als ich, aus aktuellem Anlass, kurz auf den Terrorakt zu sprechen kam, fiel sie mir sofort ins Wort und sagte "Stopp!" Daraufhin erzählte sie mir, dass sie, so gut es geht, negative Gedanken und Gespräche vermeidet. Tages-News mit all' den schrecklichen Nachrichten lese sie überhaupt keine mehr.
Prioritäten setzen und sich von ihnen leiten lassen. Wichtiges nicht dem Unwichtigen oder dem meinerseits nicht Änderbaren opfern. Belanglosigkeiten meiden. – Das sagt mir zu! Die Konzentration auf Prioritäten vereinfacht mein Leben.
Ich verzichte auf Dinge, mit denen nichts anderes als mein Ego befriedigt werden will. Ebenso auf Äußerlichkeiten, mit denen eigene Mankos und innere Leeren überdeckt werden sollen (was auf Dauer ohnehin nicht funktioniert).
Ich verzichte auf ein Leben im Übermaß; auf Übermut.
Außerdem versuche ich auf schlechte Angewohnheiten zu verzichten. Da frage ich mich: "In welchen Situationen tue ich dieses oder jenes und warum? Wieviel Geld kostet mich das pro Jahr? Was könnte ich stattdessen machen?"
Mitunter sind nur Kleinigkeiten im Alltag zu verändern, und es ist lediglich an ein paar Schrauben zu drehen, um das gesamte Zahnrad-System des Körpers allmählich zu verbessern. Läuft plötzlich nur ein Zahnrad in eine andere Richtung, beeinflusst das auch die anderen Zahnräder des Systems!
Zwar drücken neue Gewohnheiten anfangs mitunter wie neue Schuhe, sie etablieren sich für gewöhnlich aber nach etwa vier bis fünf Wochen.
Nach wie vor übe ich mich darin, mir über Dinge, die ich sowieso nicht ändern kann, überhaupt keine Gedanken zu machen und sie zu akzeptieren. – Zum Beispiel, weil sie in der Vergangenheit passiert sind oder sich meinem Einflussbereich entziehen.
Außerdem bemühe ich mich, nichts zu kritisieren oder herunterzumachen, was mich definitiv nichts angeht oder von dem ich nur Schatten und Echo kenne. In dieser Hinsicht bin ich ein äußerst langweiliger, weil stummer, Gesprächspartner.
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