So schmerzlich Enttäuschungen auch sein mögen: Man könnte insofern dankbar dafür sein, weil man somit ent-täuscht – also nicht mehr ge-täuscht – ist. Das versuche ich. Wohl niemand lässt sich gerne täuschen.
Von anderen enttäuscht zu sein, lässt sich vermeiden, indem Erwartungen auf ein realistisches Maß zurückgeschraubt bzw. erst gar nicht aufgebaut werden.
Oft zeigen Erwartungen sowieso nur unsere Defizite auf.
Nicht selten erwarten wir uns, dass durch die Erfüllung unserer Erwartung unser (zu großes?) Ego befriedigt wird.
Dies möge bitte geschehen, indem wir von anderen im höchstmöglichen Maße gelobt werden (viele Likes!); indem eine unserer ach so glorreichen Leistungen wie etwa ein Essens-Selfie besonders überschwänglich gewürdigt wird, aber auch, indem wir viele Geschenke bekommen (Brillantringe und so).
Ich habe mir abgewöhnt, auf das Lob anderer zu warten; damit zu rechnen. – Zum Beispiel in Form von "Likes" jedweder Art.
Erfahre ich dennoch Anerkennung, so freut mich das zwar meistens, aber für mein Gemüt brauche ich es eigentlich nicht.
Und gerade deshalb, weil ich mir grundsätzlich eher nichts erwarte, bin ich öfter mal positiv überrascht. Wer sich viel erwartet, wird wohl oft enttäuscht sein. Wer sich grundsätzlich wenig erwartet, wird öfter überrascht sein.
Ich persönlich werde lieber positiv überrascht, als enttäuscht.
Dennoch passiert es mir nach wie vor, dass ich manchmal enttäuscht bin. Dann frage ich mich nachher selbst: "Habe ich wirklich alles Nötige zum Gelingen der Sache XY beigetragen? Habe ich alles getan, um letztendlich nicht enttäuscht zu sein?"