Vorfreuden schaffen!

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Motivationsseminar, frühmorgens. Meine Gruppe mit teils noch etwas müden jungen Jobsuchenden frage ich: "Worauf freut ihr euch heute?"

Allgemeines Schulterzucken. Verwunderte, teils gelangweilte Blicke. Auch ein verstohlenes Gähnen mischt sich darunter.

"Worauf ich mich freue? Nun, diese Frage habe ich mir eigentlich noch nie gestellt", heißt es aus einem verschlafenen Eck.

"Ähm...? Auf nichts! Ich freue mich auf rein gar nichts", ernte ich als nächstes. Nachsatz: "Ganz im Gegenteil: Wenn ich an den heutigen Tag denke, wird mir übel."

"Mir auch!"
"Mir auch!"
"Mir auch!"
– Kollektive Zustimmung also. Welch harmonisches, motiviertes Team! Toll!

"Ich freue mich aufs Zocken" liefert ein Teilnehmer nun seinen ersten Aktiv-Beitrag überhaupt, und ich spüre langsam Fahrtwind aufkommen.

"Ich würde gerne Fußball spielen gehen!", ruft ein hagerer junger Mann aus der letzten Reihe – aber ich habe leider keine Freunde dafür..."
Und schon lässt der Fahrtwind wieder nach.

"Ich freue mich auf meine Bewerbungsschreiben, die ich heute versenden werde", frohlockt ein anderer Seminar-Teilnehmer. Doch ehe ich "Bravo!" rufen und aus dem Stand einen Doppelsalto schlage, schmunzelt er: "Das war nur Spaß."
Windstille.

"Ich kann das Date mit meiner gestrigen Eroberung gar nicht mehr erwarten – heute Abend bringe ich sie zum Miauen", versichert uns die maskuline Anita, während sie emsig die neuesten Jobanzeigen im Securitybereich durchstöbert.

Fahrtwind wieder spürbar. Stimmung steigt. Motivation fühlbar. Weitere Vorfreuden meiner Gruppe folgen. Stimmen und Gelächter werden lauter. Jetzt schaukeln sie sich gegenseitig hoch. Da einige Vorfreuden ziemlich ins pikante Detail gehen, erfahre ich bei dieser Übung mehr, als ich wollte. Der moralischen Ordnung halber rufe ich Spielverderber sehr bald "Cut!"

Die Vorfreude zählt zu den schönsten Freuden überhaupt. Man denke nur an kleine Kinder in der Vorweihnachtszeit – und dann erst ihre Aufgeregtheit in den Stunden vor der Bescherung.

Oder die Vorfreude auf einen gebuchten Kurzurlaub, auf ein Mega-Konzert etc.

Habe ich mal schlechte Laune, bin ich demotiviert, griesgrämig, missmutig, so gehe ich zunächst den Ursachen dafür auf den Grund. (– Sofern sie mir nicht ohnehin bekannt sind).

Jedenfalls gilt der Spruch:

"Selbst dann, wenn es gibt wirklich nichts zu lachen – eine kleine Vorfreude musst du dir schaffen!"

Demonstrativ! Trotzdem! Und gerade deshalb!

Um mich selbst zu motivieren, halte ich mir immer wieder die berühmte Karotte vor die Nase! Zu den kleinen Vorfreuden meiner Wenigkeit zählt zum Beispiel jene auf eine gelieferte Holzofen-Pizza. Oder auf persönliche Begegnungen, die erfahrungsgemäß in einen Depp-Talk … ähm … Deep Talk münden. Oder auf ein fesselnd-unterhaltsames Buch, das ich weiterverschlingen werde.

Eine Vorfreude ist dann besonders effektiv, wenn ich mich in eine bevorstehende, vielversprechende Situation mit all meinen Sinnen geradezu hineinfühlen kann. Also z. B. in den Duft der Pizza. In das erste knusprige Hineinbeißen. In die folgende Geschmacksexplosion im Mund. Auf den ersten kühlen Schluck dazu. Und so weiter. Da ich beim möglichst intensiven Hineinfühlen ganz gerne meine Augen schließe, unterlasse ich es im Straßenverkehr oder beim Holzhacken.

Anfangs habe ich mir einen gelben Notizzettel mit der Aufschrift "Vorfreude!" auf den Badezimmerspiegel geklebt, damit ich bloß nicht vergesse, mir eine Vorfreude, eine Motivation zu schaffen oder mich einer bereits bestehenden zu besinnen. Als Platz für den Notizzettel eignet sich für mich auch der Kühlschrank. – Das Bügelbrett weniger, weil ich dort nie bin.

Momente sind dann besonders schön, wenn sie geteilt werden. Also z. B. eine Pizza in netter Gesellschaft. Das, was man liebt, mit jenen teilen, die man liebt. Geteiltes Glück ist doppeltes Glück. Und eine geteilte Vorfreude ist doppelte Vorfreude.
Meistens.

Anruf der Schwiegermutter: "Ich komme euch morgen am Abend besuchen!"
Schwiegersohn: "Ich freue mich jetzt schon!" (Und er denkt sich: "Weil du ja dann irgendwann auch wieder gehst...")

Wie auch immer: Die Vorfreude zählt zu jenen Turbo-Freuden, die auch Sie jetzt gleich zünden könnten: Einfach überlegen und sofort drauf losfreuen! Ein bisserl was geht immer!


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