Monolog statt Diskurs?

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Am 30. Oktober 2025 war der österreichische Sozialwissenschaftler und Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier einer der Talkgäste in der TV-Sendung "Talk im Hangar-7" (Servus TV).

Im Links-Rechts-Denken steht Heinzlmaier nicht links-links.

In besagter Sendung ging es einmal mehr um das Thema Immigration/Asyl, und Heinzlmaier erlebte im TV-Studio Gegenwind – von links.

Nach einer Weile meinte der Wissenschaftler recht emotional, dass es für ihn keinen Sinn mehr habe, darüber zu diskutieren. Er mache lieber seinen Blog.

Monolog statt Diskurs also?

Oder, wenn Diskutieren, dann etwa nur noch mit Gleichgesinnten und sich dabei gegenseitig so lange auf die Schulter klopfen, bis es weh tut?

Würde dies zum Gesetz erhoben werden, gäbe es (offiziell) überhaupt keine leidenschaftlichen, kontroversiell geführten Diskussionen mehr, in denen "Influencer" – auch durch ihre Emotionen bei Gegenwind – noch etwas besser kennengelernt werden können.

Der "Denkschule Monolog statt Diskurs" folgend, müssten gleich auch kritische Interview-Fragen sowie lästige journalistische Nachbohrungen verhindert werden. Aber dorthin ist man vereinzelt ohnehin schon auf dem Weg.

Wann diskutiere ich?

Das Thema muss mir wichtig sein und eine Diskussion zielführend. Anderenfalls diskutiere ich nicht. Schad' um die Zeit.

Einmal habe ich mein Gegenüber gleich zu Beginn ersucht, seine zwei, drei besten Argumente für seine Einschätzungen zum Thema X kurz und klar darzulegen. Daraufhin habe ich mich sofort höflich verabschiedet. Schad' um die Zeit.

Warum diskutiere ich (manchmal)?

Weil ich plötzlich hineingerate und mein Schweigen als offenkundige Form der stillen Zustimmung für das, in meinen Augen, Falsche gewertet werden könnte.

Oder, weil ich andere, um ihnen zu helfen und sie vor drohendem Unheil zu bewahren, von meinem Standpunkt überzeugen möchte.

Kann ich als Diskutant profitieren, auch wenn ich rundherum nichts als vermeintlichen "Blödsinn" höre?

Ja! Indem ich zum Beispiel an mir beobachte, was mich aus meiner Mitte rutschen lässt oder gar aus der Fassung bringt. Und warum.

Grundsätzlich bevorzuge ich es, TV-Diskussions-Konsument zu sein: Beobachter und Zuhörer. Prallen kontroversielle Meinungen ungefiltert aneinander, bilde ich mir meine eigene Meinung am besten.

Wichtig, nebst dem Thema, die (subjektiv empfundene) Attraktivität von Diskutantinnen und Diskutanten.


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