Heinz Prüller: Legendärer Sport-Kommentator mit lustigen Versprechern...

Anlässlich seines 75. Geburtstags durfte ich ein recht ausführliches Interview mit dem unvergesslichen Wiener Sportreporter Heinz Prüller führen. Legendär sind vor allem seine ORF-Fernsehübertragungen von Formel-1-Rennen. Hier lesen Sie Auszüge aus diesem Gespräch.

Herr Prüller, was war eigentlich Ihre Spitzengeschwindigkeit als Fahrer oder Beifahrer? 

Heinz Prüller: "Als Beifahrer weit über 300 Stundenkilometer. Vor ungefähr 30 Jahren bin ich als Beifahrer im inoffiziellen Training in Le Mans in einem Porsche-Sportwagen mitgefahren. Das Gefühl, das ein Rennfahrer haben könnte, wollte ich auch miterleben. Und ich durfte es mehrmals. Bei hohen Geschwindigkeiten werden die Sinne geschärft. Wenn man dann aussteigt, sind die Farben greller. Irgendwie ist man in eine andere Welt eingetaucht. Und das genießt man eigentlich."

Mit wem sind Sie damals mitgefahren? 

"Jo Siffert, Rolf Stommelen usw. Und vorher und nachher natürlich mit Jochen Rindt. Zuletzt mit Alex Wurz auf dem Red Bull Ring."

Hatten Sie keine Angst? 

"Man ist sehr konzentriert, weil es kann ja irgendwas passieren. In Goodwood ist dem Bruce McLaren, dem berühmten Rennfahrer, 1970 ein Flügel weggeflogen, und der ist tödlich verunglückt. Und drei Wochen später war ich dort mit einem anderen Auto und bin bei einem Test mitgefahren. Die Angst muss man ausklammern. Als Beifahrer konnte ich zwar nichts falsch machen, aber ich habe versucht, den Fahrer nicht zu irritieren."

Zur Formel 1: Wie viele Rennen haben Sie im Fernsehen kommentiert? 

"Vielleicht 1000, von 1965 bis 2008. Viele glauben heute noch, dass ich nie was anderes gemacht habe, außer Formel 1. Aber ich habe auch rund 1000 Schirennen, Olympische Spiele und Fußball-Weltmeisterschaften übertragen. Und in der lustigen Fernsehserie ,Tohuwabohu' habe ich auch mitgespielt."

War der Formel-1-Zirkus früher schöner? 

"Früher war das ein kleiner Kreis, man hat gemeinsam gegrillt und war am Wörthersee Wasserski fahren. In den Ferien war ich einmal eine Woche in Acapulco mit dem Jochen Rindt und dem Bernie Ecclestone und den dazugehörigen Frauen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es das heute noch irgendwo gibt. Ich habe immer den direkten Kontakt zu den Sportlern gehabt. Auch privat. Ich wollte wissen: ,Wer ist der Mann hinter den Sturzhelm?' Auch bei den Schifahrern." 

Stimmt es, dass zu Jochen Rindts und Niki Laudas Zeiten Siegerehrungen erst stattfanden, wenn Sie mit Ihren Interviews fertig waren? 

"Naja, nicht jedes Mal… Aber vor allem damals hat es ja nach einem Rennen noch keinen genauen Ablauf gegeben. Ich habe mich jedenfalls immer bemüht, das erste Interview zu machen, speziell, wenn es um die beiden gegangen ist. Wenn ein Rennfahrer, der gerade gewonnen hat, aus dem Auto steigt und noch schwitzt, dazu das Adrenalin, dann sind die Emotionen noch wesentlich größer, als wenn er dann, in weiterer Folge, zum zehnten Mal sagt: ,Ja, ja, ich bin glücklich.' Weil dann ist er schon nicht mehr glücklich, wenn er schon zehnmal danach gefragt wurde… (lacht)" 

Können Sie bei Rennen überhaupt zuschauen ohne zu reden? 

"Ja, natürlich. Ich genieße das jeweilige Rennen und denke mir meinen Teil."

Sie hatten immer tausende Fakten im Kopf. Auch heute noch? 

"Aber ja! Es ist ein detailliertes Wissen, das nicht aus dem Computer kommt, sondern, das habe ich von den Sportlern selber oder aus eigenem Erleben. Ich habe das alles im Kopf."

Ihr sprudelnder Redefluss erzeugte früher auch Kritik… 

"Wenn ein Rennen spannend ist, wo jede Kurve einer überholt, dann bleiben wir beim Rennen, dann braucht man keine Hintergrund-G’schicht'. Aber wenn ein Rennen dahinplätschert, so wie es heute leider oft der Fall ist – bis zum ersten Boxenstopp ist alles entschieden, die fahren dann nur mehr ins Ziel und so weiter – dann muss man die Sache schon ein bisschen auffetten und Geschichten erzählen..."

Wer viel redet, verspricht sich manchmal. Können Sie über Ihre Versprecher eigentlich lachen? 

"Na klar! Einmal habe ich bei einer Übertragung gesagt: ,Jetzt sind von den 17 Runden nur noch 77 zu fahren…' Ich schmunzle auch, wenn ich parodiert werde."

Ihnen werden auch folgende Sprüche zugeordnet: „Es gibt zwei Arten von Reifen: die ganz harten und die harten. Alle Teams haben sich für die weichen, also die harten, entschieden." Oder: "Im Tunnel ist es trocken, da regnet es nicht." Oder: "Ralf Schumacher fährt schneller als sein Auto fahren kann…" 

"Das lässt sich durchaus fortsetzen… (lacht) Einmal sagte ich: ,Mansell führt mit sechs Sekunden Rückstand.' Oder: ,Der Wunsch von Stewart war es, Herbert in die ersten Fünf hineinzubringen – so ungefähr auf Platz 10.' Oder: ,Ich darf Ihnen leider noch nicht verraten, dass nächstes Jahr die Slicks wieder kommen, da es noch geheim ist.' Aber auch: ,Das ist eine Zeitlupeneinspielung, denn so langsam fährt Schumacher nicht.' Sowie: ,Die Kurve ist sehr eckig.' Und: ,Er ist der oberste Ford von Boss.' So etwas passiert einfach in der Hitze des Gefechts, mitten im Lärm…"

Sie haben schon sehr früh als Reporter begonnen...

"Ich war der jüngste Sportreporter der Welt! Mit 13 habe ich für eine Zeitung geschrieben, mit 15 den Enzo Ferrari interviewt... Es hat einmal einen Grand Prix in Indianapolis gegeben. Der Niki Lauda ist in Wien gesessen. Ich in Indianapolis. Wir wollten eine Doppel-Conférence machen. Das Problem war, dass keiner den anderen gehört hat. Ich hab nie gewusst, was der Niki sagt. Und der Niki hat nie gewusst, was ich sage. Aber der Niki konnte sich ungefähr denken, was ich sage, weil er mich kennt. Und umgekehrt. Das war das berühmte Rennen, wo nur sechs Autos gestartet sind. Das war irgendwie ganz lustig… Ein anderes Mal habe ich übertragen müssen von einem Münzautomaten. Da musste ich dauernd Pesos einschmeißen, sonst wäre die Leitung weg gewesen… Und in Long Beach gab es einen Grand Prix, da hab ich den ganzen Nachmittag kein Auto gesehen. Weil ich kein Bild auf dem Monitor hatte. Ein Kollege aus Österreich informierte mich über die aktuellen Bilder, die ich dann live kommentierte. Er sagte Dinge wie: ,Ein gelbes Auto hat ein weißes überholt.' So. Den Rest musste ich mir zusammenreimen. Derartige Schwierigkeiten gibt es heute nicht mehr. Heute ist alles perfekt. Aber ich weiß nicht, ob der Job noch so romantisch ist wie früher."

Sie sind seit sechs Jahren mit Dr. Barbara Prüller-Strasser, einer angesehenen Wissenschaftlerin an der Medizinischen Universität Innsbruck, verheiratet … 

"Stimmt. Die Barbara ist wirklich eine ganz, ganz tolle Frau! Mein Pech ist, dass ich sie viel zu spät kennen gelernt habe."

Als Ihre Frau 1972 zur Welt kam, hieß die "Formel-1" noch "Automobil-Weltmeisterschaft"… 

"Stimmt! Emerson Fittipaldi gewann die Fahrerweltmeisterschaft zum ersten Mal. Lotus-Ford wurde zum fünften Mal Konstrukteurs-Weltmeister (lacht). Und ich? Ich war gerade mal 31 Jahre alt. Lang ist’s her…"

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