Vorfreuden schaffen!

"Man muss immer etwas haben, worauf man sich freut."
(Eduard Mörike)
 

Ich halte mir oft selbst eine Karotte vor die Nase. In der Früh, beim Aufstehen, frage ich mich sehr gerne: "Und? Worauf freue ich mich heute am meisten?"

Durch diese Frage, auf die ich nicht vergessen sollte, mache ich mir bewusst, dass mir der anstehende Tag einfach etwas Positives bieten muss.

Ich nehme mir vor, das Positive zu erkennen. Ich möchte es erkennen. Ich bemühe mich, es zu erkennen. Ich will die Kraft haben, das Positive zu erkennen und auszuschöpfen.

Wenn ich manchmal nicht besonders gut gelaunt bin, ist es allerdings so, dass ich mir diese Frage stelle und mir gleich die Antwort: "Eigentlich freue ich mich auf gar nichts..." in den Sinn kommt. 

In diesem Fall muss ich mir selbst ein, zwei kleine Vorfreuden schaffen!

Einmal ist es die Vorfreude auf einen guten Film, den ich mir abends ansehen würde. 

Ein anderes Mal ist es die Vorfreude auf ein leckeres Essen. 

Manchmal die Vorfreude auf ein ausgiebiges Vollbad bei Duftkerzen und angenehmer Hintergrundmusik. 

Oder auf ein Tennisspiel, auf eine besonders große Runde mit dem Hund, auf ein Treffen usw..

Von all' zu langen Vorfreuden halte ich persönlich jedoch nicht so viel.

Ein Bekannter von mir war ein "Arbeitstier", ein richtiger Workaholic. Er gönnte sich keine Zeit für Urlaube, für Erholung, für Hobbies. Er sagte immer: "Dafür habe ich dann genug Zeit, wenn ich im Ruhestand bin." Dann, so fuhr er fort, würde er mit seiner Frau oft verreisen und alles nachholen. 

Hm...?

Offenbar rechnete er fix damit, das Rentenalter zumindest zu erreichen, was ihm letztendlich nicht gelang. Er starb mit 55 Jahren an einem Herzinfarkt. Wahrscheinlich überarbeitungs- und stressbedingt.

Vielleicht kennen Sie die folgende Geschichte: 

Ein etwa 45 Jahre alter Fischer, ein Einheimischer in südlichen Gefilden, liegt gemütlich am Meer. Es scheint die Sonne. Es geht ihm gut. Er ist sichtlich entspannt. 
Da kommt ein etwa gleichaltriger gestresster Geschäftsmann vorbei und fragt den Fischer: "Warum arbeiten Sie denn nicht?"

"Ach…", sagt der Fischer. "Ich habe heute schon gearbeitet: Früh am Morgen bin ich mit meinem kleinen Boot aufs Meer hinausgefahren. Ich habe ein paar Fische gefangen. Ein Teil war für meine Familie und für mich. Den Rest habe ich hier am Markt verkauft. Jetzt raste ich mich aus. Ich habe genug zum Leben. Mehr brauche ich nicht. Und was tun Sie so...?", richtete der Fischer nun die Gegenfrage an den gestressten Geschäftsmann im feinen Anzug und mit Luxus-Schuhen am Sandstrand.

Der feine Herr antwortete, etwas außer Atem: "Ich habe heute noch fünf Termine. Abends noch ein paar Telefonate. Danach treffe ich die Vorbereitungen für den nächsten Tag. Stress pur! Schließlich muss ich doch Geld verdienen."

"Und warum müssen Sie so viel Geld verdienen?", möchte der Fischer gerne wissen.

"Damit ich später einmal, wenn ich im Ruhestand bin, ein gutes Leben habe. Da mache ich dann regelmäßig Urlaub am Meer, liege am Strand, genieße die Sonne und esse frischen Fisch. – Genau so, wie Sie es tun…"

***

Mein bester Jugendfreund namens Fritzi war immer der Klassenbeste. – Ein Vorbild: Lieb, verlässlich, witzig, klug, charmant, bescheiden… Sein Berufswunsch war Pilot. Wahrscheinlich wäre er einer der besten geworden.

Mit 20 Jahren brach Fritzi in einer Tanzschule zusammen und war tot. 

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Da auch ich die Dauer meines eigenen Lebens nicht kenne, habe ich beschlossen, sicherheitshalber eher im Hier und Jetzt zu leben. Und jeden Tag aufs Neue darauf zu achten, dass ich mir selbst etwas Gutes tue.

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Ganz egal, ob kleine Vorfreude oder große Vision: In beiden Fällen freut man sich auf etwas Zukünftiges, das eintreten kann oder eben nicht. 

"Schlimmstenfalls" freut man sich bei einer Vorfreude wochenlang auf irgendetwas, ist gut gelaunt, doch es tritt dann doch nicht ein, zum Beispiel, weil es verschoben wurde. Etwa ein Konzert. 
Dann jammern viele: "Jetzt habe ich mich umsonst gefreut" und sind völlig geknickt.

Doch sind sie sich der mehrdeutigen Bedeutung des Satzes "Ich habe mich umsonst gefreut" eigentlich bewusst? 

Einerseits spricht daraus zwar das Bedauern, dass etwas Positives nicht, wie erwartet, eingetreten ist.

Andererseits hat man sich doch gefreut!

Kann man sich denn überhaupt umsonst freuen? Kann man denn vor lauter Vorfreude umsonst glücklich sein? 

Oder ist glücklich sein immer eine Investition in die Qualität des eigenen Lebens; in die Qualität des eigenen Seelenlebens...?

Was Freude wohl ebenfalls immer ist: 
Sie ist umsonst im Sinne von gratis!

Zum Inhaltsverzeichnis dieser Serie zum Thema "Glücklich und erfolgreich werden" (von Gerald Vukits) gelangen Sie direkt über unsere Einstiegsseite.