Die Qualität der Normalität 

Der Südtiroler Reinhold Messner ist international einer der bekanntesten Bergsteiger. Bereits im Jahre 1978 bezwang er, zusammen mit Peter Habeler, den höchsten Berg der Welt, den Mount Everest – ohne Sauerstoffgerät. 

Als Extrem-Bergsteiger erlebte Messner unheimlich viele Glücks-Momente, die wohl jeder zumindest ansatzweise nachvollziehen kann, der selbst schon einmal einen Berggipfel erklommen hat. – Oder zumindest nach einer langen Seilbahnfahrt am Gipfel stand und ein stolzes Selfie anfertigte. 

Anlässlich seines 70. Geburtstags fragte ich Reinhold Messner, wo er denn in der Natur sein allergrößtes Glücksgefühl erlebt hatte. 

Reinhold Messners Antwort erstaunte mich. Er sagte: „Wenn ich zurückkomme ist dieses Glücksgefühl am allergrößten. Wenn ich aus diesem Gefahrenraum – Lawinen, Steinschlag, Kälte, Sturm – herauskomme und sozusagen in die ersten Schatten der Zivilisation falle, da ist das Glücksgefühl am maximalsten. Das ist wie eine Wiedergeburt."

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Ist es denn nicht bemerkenswert, dass Reinhold Messner – trotz einmaliger, abenteuerlicher Augenblicke in freier Natur – seine größten Glücksgefühle bei seiner Rückkehr in die Normalität empfand? 

Die Qualität der Normalität sollte demnach nicht unterschätzt werden!

Anderes Beispiel: Wenn Patienten im Arzt-Wartezimmer sitzen und nervös, beunruhigt oder gar mit Schweißperlen auf der Stirn auf ihren Befund oder die Befund-Besprechung warten, so hoffen sie doch, dass alles (halbwegs) okay ist. – Und dass sie gleich wieder in die Normalität zurückkehren können. – Ohne Angst und ohne weitere Sorgen. 

Doch können wir die Normalität eigentlich schätzen? Haben wir Glücksgefühle in der Normalität?

Hm...?

Wie heißt es so "schön": "Nichts ist so schwer zu ertragen, wie eine Reihe von guten Tagen…" 

Wie gut es uns bisher eigentlich gegangen ist, wissen wir oft erst dann, wenn es einmal so richtig "kracht" und das Leben uns mit einem heftigen Schicksalsschlag konfrontiert. 

– Es uns mit der Keule eins so richtig drüberzieht und wir direkt in das Reich der Trauer, der Hoffnungslosigkeit, der totalen Verzweiflung und des tiefen Schmerzes befördert werden. Anders gesagt: "Ein einziger Schicksalsschlag befreit uns von 1000 Sorgen und Problemen." 

Aber wer denkt denn schon frühzeitig um? 
Wer denkt denn schon um und ändert sein Leben, ohne ernsthafter medizinischer Diagnose oder einer anderen tief einschneidenden Erfahrung...?

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