René Kollo: "Die Oper stirbt aus" 

René Kollo

Kurz vor seinem 80. Geburtstag führte ich mein erstes Interview mit dem Opernsänger René Kollo, der sich gerade auf seiner Abschieds-Tournee befand. Hier lesen Sie Auszüge daraus.

Herr Kollo, wie geht es Ihnen bei Ihrer laufenden Abschieds-Tournee? 

René Kollo: "Ich nehme Abschied, sowohl mit einem lachenden, als auch mit einem weinenden Auge. Wie ein Clown. Mit einem lachenden Auge, weil ich immer noch kann und meine Stimme völlig in Ordnung ist. Und mit einem weinenden, weil ich jetzt in meinem 80. Lebensjahr bin. Und mir ausrechnen kann, wieviel Jahre sind da noch? Vielleicht sind es noch viele, aber das weiß ich ja nicht." 

Sprechen Sie gerne von früher? 

"Nein, überhaupt nicht. Ich kenne auch fast keine Aufnahmen von mir. - Was ganz gut ist, weil ich mir sonst vielleicht denken würde: ,Diesen oder jenen Ton hätte ich besser singen können.'" 

Wie sehen Sie die Zukunft der Oper? 

"In 30 Jahren haben Sie keine Oper mehr. Das ist mal völlig klar." 

Die Oper stirbt aus? 

"Ja natürlich. Sie ist ja schon. Die heutige Jugend wächst damit ja nicht mehr auf. Die Alten brechen weg. Und es kommt kein Nachwuchs. Die Stars, die es jetzt in der Oper gibt, die kennen die Leute gar nicht mehr. Bei mir war das ganz anders: Ich war so viel im Fernsehen, dass ich selbst schon gesagt habe: ,So, jetzt muss ich damit aber für eine Weile aufhören. Jetzt wird’s zu viel. Auch für das Publikum.'" 

Vor zehn Jahren ließen Sie sich von Ihrer Frau Béatrice scheiden, doch sind Sie seit Jahren wieder mit ihr zusammen… 

"Es ist eine sehr faire und großzügige Beziehung. Manchmal ist so ein Verhältnis, wo man nicht laufend im Bett liegt und überlegt: ,Jetzt würde sie gerne mal wieder' und so besser, weil diese körperlichen Dinge wegfallen. Das ist angenehm." 

Was planen Sie im Ruhestand? 

"Auf eine ähnliche Frage antwortete Richard Strauss einmal: ,Na sterben halt.' (lacht)" 

Das ist eine Pointe… 

"Ja, aber eine, über die man sich mit 80 schon Gedanken macht. Mit 80 weiß man, da ist eine Grenze erreicht. Was jetzt noch kommt, ist schön, man freut sich. Aber man weiß auch: Na, irgendwann kommt der Sensenmann wie im ,Jedermann' und holt einen. Ich finde das auch gar nicht negativ. Wenn man heutzutage über den Tod spricht, kommen sofort entsetzte Reaktionen. Dabei wirst du geboren und weißt, dass du stirbst."

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