Helmut Berger: Ein Mann zum Verlieben?

War das ein netter Termin!

Auf der einen Seite der oft exzentrische Film-Schauspieler Helmut Berger. Neben ihm die hübsche, um rund 25 Jahre jüngere, österreichische Schauspielerin Kathrin Beck.
Bei diesem ersten, gemeinsamen Pressetermin im Jahre 2010 meinte er leise zu ihr: "Komm her! Rück doch näher!" Sie tat’s. Daraufhin lächelten sie einander an und plauderten miteinander. 

Helmut Berger, Kathrin Beck
Bild: © Gerald Vukits

Danach schwärmte Kathrin Beck: "Ich war sehr gespannt auf Helmut Berger. Und: Es war eine sehr schöne Begegnung. In den ersten Zehntelsekunden spürt man ja sofort: ,Wird das schwierig oder nicht?’ Er hat jedenfalls eine unglaublich schöne, warme Ausstrahlung. Helmut Berger ist ein Mann zum Verlieben! Ich jedenfalls verliebe mich, wenn die Ausstrahlung etwas in mir bewirkt. Und Helmut Berger ist sehr charismatisch. Ich spüre eine unglaubliche Sensibilität, aber auch Exzentrik. Und genau das finde ich spannend. Vielleicht ist er ehrlicher als viele von uns. Wir lernen ja von früh an, was wir tun dürfen und was nicht. Vielleicht gibt Helmut Berger dem mehr nach, was er empfindet und was er denkt. Übernimmt dann aber auch die Verantwortung dafür, was er tut oder sagt."

Helmut Berger
Bild: © Gerald Vukits

Helmut Berger war ein Weltstar.
Der verstorbene italienische Film-Regisseur Luchino Visconti war sein Förderer und Lebensgefährte. Als wunderschöner Bayern-König "Ludwig II." ging Helmut Berger in die Annalen der Filmgeschichte ein. Auch in der weltweit erfolgreichen amerikanischen TV-Serie "Dynastie – der Denver Clan" wirkte Berger in einer Gastrolle mit. Ebenso in Erinnerung sind freilich auch seine Exzesse und Ausschweifungen, nachzulesen in seiner Biografie "Ich".

2010 spielte Helmut Berger eine kleine Rolle in einer "Low-Budget"-Produktion des Regisseurs Peter Kern, weshalb der oben erwähnte Pressetermin stattfand. Gedreht wurde damals nicht etwa in Hollywood, sondern in einer alten Halle in Wien-Floridsdorf. Als Helmut Berger dort aufs WC musste, wurde er von seinem Adlatus mit Regenschirm zu einem schmucklosen, mobilen Klo-Container geleitet. 

Als Berger den Weg zur Pressekonferenz bestritt und bei seinem Erscheinen keine hysterischen Jubelschreie, ja nicht einmal Applaus, aufkam, murmelte er: "Was denn …? Das ist ja hier wie im Vatikan!"

Doch dann die kleine Sensation: Der skandalträchtige Helmut Berger sorgte diesmal für – keinen – Eklat. Auch bei den Interviews nach der Pressekonferenz gab er sich zahm. Ehe er sich im schmucklosen, engen Interview-Raum nach der Pressekonferenz eine Zigarette anzündete, sagte er immerhin höflich: "Entschuldigung, dass ich rauche..."

Und als die ORF-Kulturabteilung mit einer Fernsehkamera vor ihm auftauchte, meinte er fast demütig: "O la la! Kultur! Da habe ich aber Angst..."

Er lobte die Wiener Küche und schwärmte von Wiener Schnitzel, Tafelspitz und Powidltascherl. Knapp ein Jahr nach dem Tod seiner geliebten Mutter war Helmut Berger an diesem Tag nicht wieder zu erkennen. Es war zwar erst 10 Uhr morgens, aber um diese Uhrzeit war er wirklich charmant – und nüchtern! 

Zunächst beklagte er zwar: "Die letzte Nacht habe ich erstmals in einem Hotel auf einem Wasserbett verbracht. Darauf konnte ich überhaupt nicht schlafen. Und durch das Gluck-Gluck musste ich alle fünf Minuten Pipi ... Dabei brauche ich täglich zehn Stunden Schlaf." Doch gab er dann recht vernünftige Antworten. Der Film, den er damals drehte, trägt den Titel "Mörderschwestern" und beleuchtet das "neue Leben" einer Pflegeschwester, die früher gemordet hat ... 

Ideen-Geber dazu sei, laut Regisseur Peter Kern, der Fall Lainz gewesen. Helmut Berger spielte einen Arzt, der schließlich selbst ermordet wird... 

Berger: "Ich finde, die Vorbereitung auf einen Film ist stets wichtiger als das Drehbuch. Bei Visconti hatte ich mitunter ein Jahr lang Zeit zur Vorbereitung. Doch das Drehbuch ist – nicht – die Bibel. Ich bin ja kein technischer Schauspieler, sondern ein emotioneller. Schauspiel ist Gefühlssache! Bei der Probe spiele ich eine Rolle zunächst so, wie es der jeweilige Regisseur will – sofern ich verstehe, was er überhaupt will. Wenn ich es nicht verstehe, dann gibt es natürlich Diskussionen. Schließlich spiele ich eine Rolle allerdings so, wie ich sie sehe. Und immer denke ich mir: ,Wie würde es Visconti wollen...?' Wenn ich mir nachher einen fertigen Film anschaue, sehe ich allerdings immer nur meine Fehler und komme zum Schluss: ,Da war der Regisseur nicht stark genug. Der hat es nicht gemerkt, dass ich es noch besser könnte. Das hätte er mir nicht durchlassen gehen dürfen…'"

Helmut Berger ist einer der charismatischsten Menschen, die ich jemals getroffen habe. Wenn er erzählt, und das möge noch so leise sein, kann man die berühmte Stecknadel in den Heuhaufen fallen hören. "Gib mir ein blaues Tuch – und ich spiele das Mittelmeer", dieser berühmte Schauspieler-Satz trifft auf ihn zu wie auf kaum einen anderen. – Sofern er in Form ist, der Helmut Berger …

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