Erni Mangold: Die "wilde Alte" in meinem Auto

Erni Mangold mit ihrem Papagei
Bild: © Gerald Vukits

Anlässlich ihres 80. Geburtstags durfte ich die österreichische Schauspielerin Erni Mangold daheim besuchen. In ihrer Wiener Wohnung flog ein Papagei namens "Batzi" herum. Und im Wohnzimmer trainierte Erni Mangold mit Hanteln. 

Die wilde Schauspielerin, die in jüngeren Jahren mit dem Schauspieler Heinz Reincke verheiratet war, sagte im Interview Dinge wie: 

„Ich trinke immer Alkohol. Jeden Tag. Allerdings nicht zu viel. Nur ein paar Gläser guten Rotwein."

Oder: "Viele Jahre werde ich nicht mehr haben. Aber ich habe nicht so furchtbare Angst vorm Sterben. Ich habe mich damit immer wieder auseinandergesetzt. Außerdem weiß ich, dass ich liebe Freunde habe, die mich dann ganz lieb begleiten werden. Es ist ein sehr schöner Gedanke, wenn man das weiß. Ich habe das Gefühl, dass dieses Leben, das ich da gelebt habe, eine Erfüllung ist. Ich glaube nicht, dass ich noch einmal auf die Welt kommen werde. Ich will mich verbrennen lassen und möchte, dass Freunde von mir aus meiner Asche einen kleinen Brillanten machen."

Gleich nach dem Interview sprang Erni Mangold von ihrem Küchen-Sessel auf und fragte mich, ob ich sie denn in meinem Auto zu einer Geburtstagsparty führen würde, zu der sie eingeladen war.
Klar doch!
Ich meine: Wann hat man schon die Mangold im Auto? 

In ihrer Vorzimmer-Garderobe wollte ich ihr in die Jacke helfen, doch sie drehte sich einfach von mir weg und sagte. "Das mag ich nicht! Da finde ich nie in den Ärmel hinein. Der eine Mann hält die Jacke weiter oben, der andere weiter unten. Also ziehe ich mich lieber selbst an."

Sie verschwand in einem Nebenraum. 

"Auch das noch!", rief sie dort plötzlich zornig. "Jetzt ist mir der Knopf meiner Hose abgerissen."

Leider konnte ich’s nicht reparieren …

Die 80-jährige sagte: "Macht nix. Geh ich halt mit offener Hose." 

Socken? Strümpfe?
Von wegen!
Sie schlüpfte mit ihren nackten Füßen in ihre Halbschuhe und sagte zu mir: "Da schau her: Vor ein paar Wochen habe ich mir eine Zehe angebrochen. Sie ist noch immer geschwollen. Nur diese Halbschuhe passen mir."

Mhm …

Winter war‘s.

Ich ging im Mantel.
Daneben die 80-Jährige, mit flotter Bluse und offener Weste und Hose.
Sie klagte trotzdem: "Mir ist so heiß."
Kein Wunder, bei dem Tempo, das sie vorlegte … 

Im Auto schüttelte meine betagte Beifahrerin ständig ihren Kopf. Sie wirkte äußerst unzufrieden mit meinem Fahrstil. Weil ich "zu langsam" fuhr? Maximal 50 in der Stadt. Was sonst? Doch die Mangold gab offenbar – stets – mehr Gas als ich.
Sie rief: "Los! Über die Kreuzung!"
Ich: "… aber es ist doch bereits Gelb!?"
Sie, im breiten Wiener Dialekt: "Wurscht! Kummt do' eh kana ...!"

**

2016 fragte ich sie: Gibt es den Papagei noch?
Erni Mangold antwortete: „Nein, nein. Der ist vor drei, vier Jahren gestorben. Gott sei Dank! Ich bin froh. Das war eine furchtbare Belastung. 42 Jahre. Ich habe gelitten wie ein Schwein. Ein Papagei ist völlig asozial für die Familie. Ein hinreißendes Paradies-Vögelchen. Aber für die Freiheit gedacht. Den hat sich damals mein Mann halt gewünscht. Und ich hab ihn geerbt. Mein Gott … Was soll man machen …?"

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