So war mein erstes Interview mit Sebastian Kurz

Mein erstes Interview mit dem späteren österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz führte ich, als er 24-jährig Österreichs neuer Staatssekretär für Integration im Innenministerium wurde. Hier lesen Sie einen Auszug aus diesem recht lockeren Gespräch.

Herr Kurz, wie werden Sie nun am liebsten angesprochen, wenn Sie mit Gleichaltrigen diskutieren?

Sebastian Kurz: "Mit ,Sebastian', wie bisher."

Und wenn Sie mit Älteren sprechen?

Kurz: "Da bin ich grundsätzlich sehr flexibel."

Sie studieren Jus. Normalerweise dauert ein Jus-Studium acht Semester in der Mindestzeit. Sie aber, sind jetzt schon im 13. Semester...

Kurz: "Ja. Ich ging nach der Matura zum Bundesheer. In Schulzeiten und während des Bundesheeres arbeitete ich in der Gastronomie. Danach arbeitete ich in einer Rechtsanwaltskanzlei und bei einer Versicherung und begann mich 2004 auch politisch zu engagieren. Das bedeutet: Mein Studium lief nebenbei. Ich war nur ein Semester lang Vollzeitstudent. Sonst habe ich nebenbei immer gearbeitet und habe mich politisch engagiert. Mein Studium war mir immer wichtig. Es war aber zeitlich immer nur zweite oder dritte Priorität."

Wie weit sind Sie in Ihrem Studium derzeit?

Kurz: "Es gibt drei Abschnitte beim Jus-Studium in Wien. Zwei habe ich abgeschlossen."

Was macht Ihre Freundin Susanne (25) beruflich?

Kurz: "Sie hat Wirtschafts-Pädagogik studiert. Das ist das Lehramtsstudium für die Handelsakademie an der Wirtschaftsuniversität. Susanne will Lehrerin werden an einer Handelsakademie. Da ist es üblich, dass man davor Berufserfahrung in anderen Bereichen sammelt. Und das tut sie gerade. Wir leben zusammen in einer Wiener Wohnung."

Was werden Sie mit Ihrem Monatsverdienst von über 14.000 Euro machen?

Kurz: "Ich bin ein Typ, der spart. Das habe ich auch bisher gemacht, mit deutlich geringeren Gehältern. Ich habe immer sehr zufrieden gelebt."

Was war Ihr höchstes Einkommen bisher?

Kurz: "Als Landtagsabgeordneter der ÖVP-Wien verdiente ich monatlich 6500 Euro brutto. Doch auch dieses Geld habe ich bei weitem nie gebraucht."

Ein Journalist bezeichnete Sie als "frech bis präpotent auftretenden Jungspund"...

Kurz: "Ich finde es spannend, dass das Personen über mich schreiben, die mich persönlich gar nicht kennen. Frech und fordernd aufzutreten halte ich allerdings für nichts Schlechtes. Es ist ein Vorrecht gerade junger Menschen so ihre politische Meinung zu vertreten. Und das durchaus auch einmal ein bisschen lauter und ein bisschen fordernder. Wir leben ohnehin in einer politischen Kultur, in der junge Menschen viel zu selten eine Chance bekommen."

Im Wien-Wahlkampf 2010, nachdem die ÖVP Wien letztendlich knapp fünf Prozent an Stimmen verlor, fuhren Sie in einem sogenannten "Geilo-Mobil" durch die Gegend und warben mit dem Slogan "Schwarz macht geil" um Stimmen. Bitte, was ist an der ÖVP geil?

Kurz: "Schauen Sie, das Wort ,geil' kommt aus dem Wien-Wahlkampf, aus einer Kampagne. Ich habe in meinem Leben schon einige Kampagnen gemacht: Manche waren erfolgreich, manche weniger... Jetzt werde ich versuchen, den medialen Focus auf meine Arbeit zu richten. Auf das, was ich in der Sache weiterbringe. Es ist nun nicht mehr so, wie in einer Jugend-Organisation, dass man provokante Kampagnen machen muss, um medial überhaupt berücksichtigt zu werden. Jetzt ist es wesentlich leichter, mit Sachthemen durchzukommen, ohne sie provokativ zu verpacken."

Wie viele Krawatten haben Sie daheim?

Kurz: "Es sind ein paar. Ich bin aber niemand, der oft Krawatten trägt."

Hat Ihnen vor der Angelobung beim Bundespräsidenten, bei der Sie ohne Krawatte erschienen sind, niemand geraten: "Geh, nimm doch eine Krawatte... Schaut besser aus!"?

Kurz: "In der Rolle, in der ich jetzt bin, gibt es schlagartig viele Menschen, die einem Ratschläge geben. Ich nehme Ratschläge in der Sache sehr gerne an. Aber ich halte sehr wenig von Ratschlägen, was mein Auftreten betrifft." 

Welche Musik erklingt aus Ihrem CD-Player?

Kurz: "Grundsätzlich quer durch, bunt gemischt. – Musik, die junge Leute eben gerne hören. Ausgenommen Schlagermusik. Doch derzeit ist mein CD-Player zuhause kaputt."

"Momente mit Promis" (Inhaltsverzeichnis)

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