Hilli Reschl: Zum "90er" sprach sie über ihre Krankheit...

2018 starb die österreichische Schauspielerin Hilli Reschl. Populär wurde sie als "Frau Anni" in der ORF-TV-Reihe "Seniorenclub". Anlässlich ihres 90. Geburtstags durfte ich Hilli Reschl wieder einmal daheim besuchen und interviewen. Hier lesen Sie einen Auszug aus diesem Gespräch:

Hilli Reschl in ihrer Wohnung

Wie lautet Ihr Lebensmotto, Frau Reschl?

Hilli Reschl: „,Alles hat seine Zeit.' Das Kindesalter, die erste Liebe… Wenn man das akzeptiert, wird einem alles im Leben leichter fallen. Als mein Mann Johannes Hoflehner vor fast sieben Jahren 80jährig gestorben ist, das war furchtbar. Wir waren fast 50 Jahre miteinander verheiratet. Und danach fehlt einem die Hälfte. Aber ich war so dankbar, dass wir uns so lange gehabt haben. Und da musste man halt akzeptieren, dass einer von uns gehen musste. Das ist eben der Lauf des Lebens."

Sind Sie nach wie vor sportlich?

Reschl: "Mit 80 Jahren war ich das letzte Mal im Wiener Eislaufverein eistanzen. Danach habe ich meinem Sohn Johannes (52) versprochen, dass ich damit aufhöre. Weil es dann doch ein bisserl gefährlich wurde. Traurigen Herzens habe ich es aufgegeben. Seit meinem 14. Lebensjahr war ich Eistänzerin. Alles hat eben seine Zeit… (schmunzelt)"

Ihr Rippenbruch, den Sie sich im Vorjahr beim Seniorenturnen zuzogen haben, ist ausgeheilt?

Reschl: "Dass Sie das noch wissen! An das denke ich gar nicht mehr (lacht)… Ich turne längst wieder. Jeden Dienstag mache ich eineinhalb Stunden Gymnastik. Im Turnsaal einer Volksschule."

Sind Sie dort die älteste Turnerin?

Reschl: "Ja, aber wirklich! Die zweitälteste ist 72. Die meisten sind zwischen 60 und 65 Jahre alt. Aber ich turne ja zu Hause auch. So stehe ich zum Beispiel zehnmal von einem Sessel auf, ohne mich anzuhalten."

Toll!

Reschl: "Man darf eben nicht aufhören. Wenn ich einmal pausieren muss, bin ich sofort ein bisschen steif. In meinem Alter merkt man das sofort. Dennoch habe ich im vergangenen Jahr angefangen, mein Alter zu akzeptieren. Bis vor einiger Zeit habe ich ja bei einer noch jüngeren Turngruppe mitgemacht. Die haben viele Sit-Ups gemacht und so was – und ich hab alles mitgemacht. Das hat mich wahnsinnig angestrengt. Zunächst dachte ich: ,Wieso? Das habe ich doch immer gemacht …?' Am nächsten Tag war ich dann beim Arzt, weil ich so einen hohen Puls hatte. Ich erzählte ihm von der anstrengenden Turnstunde, worauf er mich fragte: ,Haben Sie Ihr Alter vergessen?' Ich antwortete: ,Ja!' Also wechselte ich ins Seniorenturnen. Aber ich vergesse trotzdem oft, wie alt ich bin."

Wie viele Ärzte haben Sie schon überlebt?

Reschl: "Einige! Mein jetziger Arzt ist 60. Ich hoffe, er geht noch lange nicht in Pension, weil, der ist sehr gut… Um es einmal zu sagen: Ich bin seit 42 Jahren Diabetiker. Ich hab das noch nie gesagt. Weil ich so viel Sport betrieben habe, bin ich sehr lange mit Tabletten ausgekommen. Seit 16 Jahren bin ich Insulin-pflichtig. Kein Mensch hat etwas davon bemerkt. Weil ich eben alles machen konnte und kann. Wenn man diszipliniert ist und sich darauf einstellt, kann man mit der Krankheit auch 100 werden – hoffe ich."

Wie oft müssen Sie spritzen?

Reschl: "Zweimal am Tag: In der Früh und abends."

Da liegt ein Packerl Schnitten …?

Reschl: "Manchmal nasche ich eine davon..."

Sie wirken so positiv…

Reschl: "Ich bin eben ein Frühlingskind! Und wenn ich doch einmal grantig bin, gehe ich anderen aus dem Weg. Ich erlaube es mir nicht, dass ich mit meinem Grant anderen auf die Nerven gehe oder mich schlecht benehme. Mein Sohn sagt immer: ,Mama, du bist so pflegeleicht.' Ich bin sehr viel allein, aber ich bin nicht einsam. Manchmal hänge ich mich ans Telefon. Wenn ich meine Freundinnen anrufe und keine hebt ab, denke ich mir nach dem dritten Versuch: ,Jetzt gehe ich alleine spazieren.' Und wenn es nicht anders geht, nehme ich mir ein Stamperl Schnaps oder einen Cognac und denke mir: ,So, und jetzt können sie mich alle gerne haben …' (lacht) Dann geht es wieder. Man muss sich selber am Schopf herausziehen. Und das kann ich, Gott sei Dank."

Wann treten Sie denn wieder im Theater auf?

Reschl: "Ich will nicht mehr. Aber ich werde immer wieder angesprochen. In der U-Bahn sagte mir eine Dame, dass ich der Hilli Reschl vom ,Seniorenclub' so ähnlich schaue. Ihr Nachsatz war: ,Naja, wer weiß, ob die noch lebt...' Hab‘ ich gesagt: ,Ja, ich lebe noch!' (lacht)"

Was sehen Sie sich gerne im Fernsehen an?

Reschl: "Abends die Nachrichten. Und Krimis. Aber wenn sie brutal sind, bin ich schon wieder weg. ORF3 sehe ich jetzt auch sehr gerne. Zum Fernsehen trage ich eine spezielle Lupenbrille. 480 Euro hat sie gekostet. Am linken Auge habe ich nämlich nur noch 5 Prozent Sehkraft, rechts 12 Prozent."

Hilli Reschl sah schlecht und musste mitunter mit Lupe einkaufen

Reschl blieb bis ins hohe Alter fit

Ihren 91. Geburtstag im Jahre 2017 musste Hilli Reschl im Spital verbringen. Oberschenkelhalsbruch rechts. Auch dort durfte ich sie besuchen...

Hilli Reschl im Spital, 2017

Hilli Reschl mit Gehhilfe im Spital (2017)

"Momente mit Promis" (Inhaltsverzeichnis)

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