Martin Flossmann: Ein genialer Pointenmacher

Der im Jahre 1999 im Alter von 62 Jahren an Krebs verstorbene, ehemalige Leiter und Conférencier des Wiener Kabaretts "Simpl", Martin Flossmann, konnte Pointen setzen – unglaublich! Nicht umsonst führte er den "Simpl" in ungeahnte Höhen. 

Es war mir eine große Ehre, dass dieser Künstler Martin Flossmann Kontakt mit mir pflegte. Er war einer der wenigen, die sich bei mir für Interviews nachher brieflich bedankten. Das gibt es heute kaum noch. Nicht einmal per E-Mail.

Dr. Martin Flossmann war nicht nur ein Sir, sondern er hatte auch ein gigantisches Auge für Talente. Wissen Sie noch, wen er als seinen Nachfolger als künstlerischer Leiter des "Kabarett Simpl" auserkoren hatte?
Michael Niavarani!

Zum ersten Mal traf ich Martin Flossmann in einem Kaffeehaus-Garten nahe dem "Kabarett Simpl". Ich wusste natürlich, wie Flossmann aussah, doch er kannte mich noch nicht. Für solche Fälle hatte Flossmann einen Trick parat: Er stieg aus seinem Auto, das er vor dem Lokal parkte, aus. Machte mit der rechten Hand einen auffälligen "Panoramaschwenk-Gruß" in Richtung der Menschen im Kaffeehaus-Garten und nur ich reagierte darauf und winkte zurück. Also wusste er sofort, wo ich war. Denn nur ich wartete ja auf ihn und hielt bereits Ausschau nach ihm.

Martin Flossmann war ein blitzgescheiter, brillanter Formulierer. Einmal unterhielten wir uns über den Schauspieler Gunther Philipp. Flossmann sagte: „Der Gunther Philipp war immer mein Vorbild. Auch er studierte zuerst – nämlich Medizin – und wurde dann Schauspieler. Gunther Philipp ist für mich der lebende Beweis dafür, dass eine akademische Bildung nicht schadet, wenn man nachher etwas Ordentliches lernt."

Über seine jahrelangen, nahezu täglichen Auftritte im Kabarett "Simpl" äußerte sich Flossmann so: „Als ich nach meinen ,Simpl-Vorstellungen' auf Partys kam, gingen die Party-Gäste meistens schon nach Hause. Es gehört viel Selbstbewusstsein dazu, das nicht persönlich zu nehmen."

Über mögliche berufliche Alternativen meinte Flossmann: "Eine Zeitlang habe ich mir überlegt, als Theater-Ersatz in die Politik zu gehen. Nur, wenn ich mich so umschaue: die Rollen sind mir zu schlecht."

1997 absolvierte er seinen allerletzten Fernsehauftritt. Da fragte ich ihn:

Ist Ihr Abschied unwiderruflich?

Flossmann: "Aus heutiger Sicht ja. Ich gehe aber nicht zum Notar und lasse das fixieren. – Das überlasse ich größeren Geistern."

Haben Sie keine Angst, Ihre schauspielerische Begabung zu verschenken, wenn Sie nicht mehr spielen?

Flossmann: "Das schon! Aber da ist jetzt die Frage, wie groß die schauspielerische Begabung war. Das Bisserl werde ich verschmerzen … Ein Versteller war ich ja nie. In eine fremde Haut zu schlüpfen, das habe ich nie gemacht – weil es war das Leben schon in der eigenen schwer genug."

Würden Sie auch dann nicht auf die Bühne zurückkehren, wenn man Sie mit Geld "erschlägt"?

Flossmann: "Mit Geld hat man mich noch nie erschlagen können. Denn das, was ich zum Leben brauche, habe ich mir relativ bald erwirtschaften können. Und alles, was mehr ist, ist ein Zahlenspiel."

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Nach seiner erfolgreichen "Simpl"-Zeit stieg Flossmann in die Immobilien-Branche ein. 

Ob er auch dort seine Witze reißt, habe ich ihn einmal gefragt. 

Seine Antwort war: "Es ist vollkommen egal, wo man gute Pointen setzt: Ob vor großem Publikum oder am Verhandlungstisch. Am Verhandlungstisch freilich können sie wesentlich nützlicher sein."

Wann fallen Ihnen Ihre Pointen ein?

Flossmann: "Meistens dann, wenn sie am wenigsten zu vermuten sind. Ein Beispiel: Ich schaue mir – erschüttert – das Begräbnis der Lady Diana an und denke mir: Um Gottes Willen, vor einigen Monaten hat sie zu einem guten Zweck ihre Abend-Garderobe versteigert. Der Wiener würde sagen: Verkauft’s mei G’wand – i foahr in Himmel …"

Eigenartiger Weise verbindet mich auch mit Flossmanns Ex-Ehefrau Tamara Stadnikow, die mit Flossmann auf und hinter der "Simpl"-Bühne arbeitete, und die im Jahre 2003 beim Eurovision-Songcontest als Background-Sängerin von Alf Poier den erstaunlichen sechsten Platz belegte, eine jahrelange, gute Bekanntschaft.

Somit steht für mich fast zwingend fest: Wenn ich 30 Jahre früher auf die Welt gekommen wäre, hätte – angesichts dieser "Protektion" – in der 70er-Jahren wahrscheinlich auch ich im Kabarett "Simpl" gearbeitet.
Ich weiß nur nicht, als was …

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