Ja, ich habe eine super Ehefrau – und "Sorry", mein Freund

Rund zehn Mann waren heute auf unserer Baustelle. Unglaublich, wie die arbeiten.

"Stein auf Stein, Stein auf Stein – das Häuschen wird bald fertig sein …"

Kurzum:
Keller fertig!
Kellerfenster drinnen.
Dämmung da.
Erdgeschoss-Wände fertig.
Erdgeschoss-Decke drüber.
Installationen weit fortgeschritten.
Und, und, und...
Meine Frau und ich kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. In den nächsten Stunden wird der drei Meter tiefe und ein Meter breite Arbeitsgraben rund um das Haus bereits wieder zugeschüttet.

Super! Dann kann ich beim Hinunterschauen auch gar nicht mehr hinunterfallen.
Und: Dann können sich meine Frau und ich beim Zanken auch gar nicht mehr gegenseitig hinunterstoßen.

Gerade noch rechtzeitig wurde, seitens der Telekommunikationsfirma, ein rund 50 Meter langes, vierpoliges Erdkabel geliefert, das – wie der Name schon sagt – unter der Erdoberfläche zum Haus verlegt wird. Wie gut, dass noch nicht zugeschüttet wurde.

Meine Frau und ich waren heute stundenlang auf der Baustelle – unglaublich, wie viel wir dabei gefragt wurden: – Vom Polier, vom Installateur, vom Elektriker. Und der Zimmermann war auch schon da. Welche Farbe denn der Dachstuhl haben soll…?
Daran hatten wir bislang noch keine Sekunde gedacht.
Rund 20 Muster wurden uns vorgelegt.
Binnen zwei Tagen müssen wir uns nun entscheiden.

Meine Frau und ich sind sehr, sehr müde.
Sollten wir jemals wieder bauen, dann nehmen wir uns in dieser Bauphase ganz bestimmt Urlaub. 

Ich weiß zwar nicht, wie es hier noch weitergeht, aber: Wenn der Rohbau im Entstehen ist und wenn Installateur und Elektriker mit ihren Installationen beginnen, dann sollte sich die Bauherrschaft wirklich ein paar Urlaubstage nehmen.
In etwa 30 bis 60!

Denn erst jetzt sehen und fühlen meine Frau und ich vor Ort, ob es wirklich klug war, diesen oder jenen Lichtschalter hier und die Steckdosen dort zu planen. Erst jetzt sehen wir (mitunter mit weit aufgerissenen, fassungslosen Augen), wo die geplanten Wand-Heizkörper im Obergeschoss tatsächlich hängen sollen. Erst jetzt sehen wir ... usw.

Wie gesagt: Da sind noch Dutzende Entscheidungen vor Ort, direkt auf der Baustelle, zu treffen. Entscheidungen, die man zwar zum ersten Mal in seinem Leben trifft – deren Folgen aber das gesamte, restliche Leben betreffen könnten.

Bei dieser Gelegenheit komme ich nicht umhin, hiermit feierlich zu betonen:
Alles in allem bin ich wahnsinnig stolz darauf, eine so tüchtige Ehefrau zu haben!
Als ich damals, vor vielen, vielen Jahren, am Standesamt und in der Kirche "Ja" zu ihr sagte, wusste ich ja gar nicht, was meine Frau in Wahrheit alles kann!

Unter uns gesagt:
Ich heiratete sie ja nur aus drei Gründen:
1. Die gefällt mir.
2. Die ist lieb.
3. Die ist gut.
Aber, dass sie so gut ist, das habe ich nicht gewusst!

Ich finde: Beim Bauen wird das "schwache Geschlecht" so richtig stark! Was diese Frau alles sieht! Woran die denkt! Welche Fachausdrücke sie verwendet. Wie logisch und praxisnah sie überlegt. Ich habe das Gefühl, mit einer "Dr. Dr. Dipl. Ing. Mag. Bau-Ingenieurin" verheiratet zu sein – und gebe unumwunden zu:
Heute Nachmittag habe ich daheim die Kinder gehütet und meine Frau war bei den "wilden Kerlen" auf der Baustelle. Bei kaltem Wind. Bei Zugluft.

Okay, von welchem Eck aus ihre Fußbodenheizung im Erdgeschoss letztendlich gesteuert werden soll – die Antwort auf diese Frage ist ja wohl wirklich ihre Domäne.

Aber, meine Frau hat auch die entscheidenden Fragen der Fensterfirma autonom beantwortet. Ich bin jedenfalls froh, dass die Fensterfirma "sicherheitshalber" auch noch die Naturmaße am Rohbau genommen hat, ehe sie mit der Produktion unserer Terrassentüren und Fenster begonnen hat. Anderenfalls müssten wir jetzt wohl ein paar unserer Fenster auf Ebay versteigern lassen… 

Die Fenster sind jedenfalls angezahlt, die Küche ist angezahlt. Sie bemerken: Jetzt geht es ganz schön ans Bezahlen. Doch das ist eigentlich ein Thema, über das ich im Moment eher nicht so flockig schreiben kann.

Jedenfalls entschuldige ich mich bei dieser Gelegenheit bei meinem besten Schulfreund dafür, dass ich ihn am 14. Juni 1997, gegen 22.27 Uhr, auf das Bier, in unserem Stammlokal, partout nicht eingeladen habe. Meine Sturheit damals war schlichtweg lächerlich.
Lieber Freund!
Es tut mir leid, dass du damals extra zum zwei Kilometer entfernt gelegenen Geldautomaten laufen musstest. – Nur deshalb, weil ich so boshaft war. Heute, bei regelmäßigen Zahlungen in der Größenordnung von rund 15.000 Euro pro Woche, sehe ich die Sache von damals jedenfalls wesentlich anders.

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