Hausbau: Gefährlicher Ehestreit

Es geht voran mit unserem Rohbau! Jetzt stehen auch schon die Erdgeschoss-Außen- und -Innenwände. Psychisch bin ich trotzdem einigermaßen angeschlagen. Schlaflos sind meine Nächte. Um 3 Uhr in der Früh stehe ich auf und koche Kaffee. Ich frage mich: "Klappt eh alles, wie geplant?" "Machen die Bauarbeiter alles richtig?" "Kommt kein Erdbeben, weswegen alles bisher Errichtete plötzlich wieder in sich zusammen fällt? Wäre das überhaupt ausreichend versichert…?"

Ich habe meine Familie und wichtige Geschäftspartner nun darüber informiert, dass ich – "bis auf Widerruf" – ein hauchdünnes Nervenkostüm trage und eigentlich gar nicht recht zurechnungsfähig bin.

Wann bitte, sollte ich denn nervös und angespannt sein, wenn nicht jetzt?
In ein paar Wochen steht ja alles.
Hoffentlich…
Und dann ist es schwierig, noch etwas zu verändern.

Auf der Baustelle gab es heute eine lebhafte Diskussion ­– besser gesagt: eine Verbalinjurie – zwischen meiner Frau und mir. Diesmal ging es darum, wie man ein Maßband richtig hält.

Im Zuge dessen rief sie mir zu, dass ich ein "fürchterlicher Mensch" sei, der "nicht auszuhalten" ist. 

Ich entgegnete ihr, dass sie "unglaublich gemein" ist. Auch die einigermaßen originelle Bezeichnung "geistiger Sozialhilfe-Empfänger" ist gefallen. Leider hab das nicht ich gesagt, sondern gehört …

Als meine Frau dann auch noch urteilte, dass ich mich auf der Baustelle schön langsam zur Lachnummer entwickle; dass alle Bauarbeiter (inklusive Polier) bereits die Augen verdrehen, wenn ich dort auch nur erscheine, war ich nahe dran, den gesamten Rohbau eigenhändig wieder abzureißen.

Unter uns: Darf ich denn nicht fragen, wie viele Kammern ein Ziegel hat, und wie viele Kammern auch dann noch richtig atmen, wenn die Fassade drauf ist…?
Nein!
Laut meiner Frau darf ich das alles nicht!
Jedenfalls: Jetzt nicht mehr, wo’s sowieso schon steht.

Dabei war ich es doch, der kürzlich sofort erkannt hat, dass bereits ein paar Ziegeln gesetzt wurden, die ich gar nicht bestellt hatte! Kraft meines Amtes als "Herr Bauherr" intervenierte ich auf der Stelle. Und, siehe da: Die ungeliebte Ziegelreihe (einer anderen Ziegel-Firma) wurde wieder weggenommen und durch meine Bestellung ersetzt.

Doch mein Know-how und meine Skepsis schätzt diese, meine Frau offenbar überhaupt nicht. Hauptsache, sie bekommt ihre Fußbodenheizung und ihre 12.000-Euro-Küche mit Markengeräten. Und jetzt, auf der Baustelle, hielt sie auch noch das Maßband lässig wie ein keckes Handtäschchen und nicht so – wie ein Maßband eben! Einfach nur, um mich zu ärgern. Nur, weil ich etwas nachmessen will, das ohnehin schon fix verankert ist. 

Wäre nicht der drei Meter tiefe Arbeitsgraben zwischen uns gewesen, wer weiß, ob dieser Disput auf der Baustelle nicht in Handgreiflichkeiten ausgeartet wäre. Oder gar in eine Schlägerei – gleich neben dieser gefährlichen "Schlucht"...

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