Roland Kaiser: "Ich habe den Tod nicht einkalkuliert"

Im Jahre 2010 musste sich der deutsche Schlagersänger Roland Kaiser ("Dich zu lieben", "Santa Maria") einer Lungentransplantation unterziehen. Zwei Jahre später sprach er mit mir sehr offen darüber. Hier lesen Sie einen Interviewauszug.

Herr Kaiser, stimmt es, dass Sie nach Ihrer Lungentransplantation nicht mehr alles essen sollen?

Roland Kaiser: "Das stimmt. - Wegen der Infektionsgefahr durch Keime. Nahrungsmittel darf ich nur zu mir nehmen, wenn sie abgekocht, abgebraten, gebacken oder geschält sind. Ein bisschen vermisse ich den Genuss von frischen Erdbeeren, Pfifferlingen und Pilzen. Wenn sie vorher tiefgekühlt waren, darf ich sie essen. Doch das sind alles Einschränkungen, die mir nichts ausmachen. Ich genieße mein zweites Leben und dass ich wieder aktiv daran teilnehmen kann. Ich freue mich, dass ich wieder Wandern und Einkaufen, mit den Kindern etwas unternehmen und mein Auto jetzt wieder selbst aussaugen kann, ohne gleich in Atemnot zu geraten. Wenn ich morgens beim Rasieren in den Spiegel sehe, lacht mir ein gesunder Mann entgegen."

Im Jahre 2000 erfuhren Sie, dass Sie an der Lungenkrankheit COPD litten…

"Ja. Bei mir war es sicherlich die Folge des Rauchens. Seit dieser Diagnose habe ich keine Zigarette mehr angerührt. Aber, es war zu spät. Denn die Krankheit ist chronisch und schritt voran. In den darauf folgenden Jahren bekam ich immer schlechter Luft und konnte nur noch bis in den oberen Brustkorb atmen. Auf der Bühne wurde infolge des zunehmenden Sauerstoffmangels mein Gesang kraftloser, bestimmte Töne konnte ich nicht lange halten. Dass meine Fans mir trotzdem treu geblieben sind, vergesse ich nie."

Seit 2010 leben Sie mit einer neuen Lunge. Die Identität des Spenders kennen Sie nicht. Bemerken Sie in irgendeiner Form, dass Sie ein fremdes Organ im Körper haben?

"Natürlich bemerke ich das, mit jedem Atemzug. Wenn Sie auf die Fremdartigkeit anspielen, darüber mache ich mir keine Gedanken. Im Gegenteil, ich bin meinem Spender zutiefst dankbar."

Als es Ihnen gesundheitlich schlecht ging, meinten Sie: "Ich dulde mir gegenüber keine Schwäche." Sind Sie denn, was Schwächen anderer Menschen betrifft, tolerant? 

"Ich denke schon. Jeder muss an sich selber Anforderungen stellen. Man darf nicht die eigenen Forderungen an sich selbst zum Maßstab für alles machen. Man kann nicht erwarten, dass andere Menschen die gleiche Einstellung haben."

Trotz Ihrer Krankheit konnten Sie immer Hoffnung schöpfen…

"Mein Glas ist immer halbvoll und nicht halbleer. Ich habe daher den Tod nicht einkalkuliert, sondern war überzeugt, dass alles gut gehen wird." 

Doch was raten Sie Patienten, für die es keine Hoffnung mehr gibt?

"Nicht den Mut zu verlieren und sich so lange wie möglich gegen die Krankheit zu wehren. Ansonsten ist das eine Frage, die leider jeder für sich selber beantworten muss. Da maße ich mir nicht an, Ratschläge zu geben."

Wäre es wichtig, sich auch einer aussichtslosen Sache so gut es geht zu stellen?

"Naja, es versucht ja jeder, für sich persönlich Trost zu finden. Für mich war meine Frau sehr wichtig, die Familie. Außerdem bin ich selbst, seitdem ich denken kann, ein Mensch, der sehr gläubig ist. Der Glaube ist für viele Menschen die einzige Chance, um Trost zu finden." 

Die Schulmedizin wird häufig kritisiert…

"… doch mein Leben hat sie gerettet. Doch über die medizinische Kunst hinaus, muss natürlich auch der Patient seinen Beitrag leisten. Der Patient kann nicht sagen: ,Jetzt wurde ich behandelt oder operiert, jetzt läuft alles von selber.' Das wird nicht funktionieren. Auch die klassische Schulmedizin braucht natürlich die Mithilfe des Patienten. Körper und Seele sind nun mal eine Einheit. Das darf man nicht vergessen. Ich radle praktisch jeden Tag bis zu 20 Kilometer am Hometrainer und besuche zweimal pro Woche ein Fitnessstudio. Zudem kommt natürlich, dass ich auch regelmäßig meine Medikamente einnehme."

Lesen Sie all' die Fanbriefe, die Sie erreichen?

"Na klar! Nachdem ich jetzt ein geheilter Mensch bin, lese ich Briefe noch aufmerksamer. Es haben sich einige Menschen an mich gewandt, die ebenfalls vor einer Lungen-Transplantation standen oder auch Menschen, die akut von einer Lungenerkrankung betroffen sind. Ich kenne jemanden in Wien, der bereits seit 17 Jahren mit einer transplantierten Lunge lebt. Ihre Geschichten interessieren mich." 

"Momente mit Promis" (Inhaltsverzeichnis)

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