Frank Sinatra & Co.: Drei Weltstars live und "backstage"

Eines meiner tollsten Erlebnisse bisher war ein Konzert der drei amerikanischen Show-Legenden Frank Sinatra, Sammy Davis jun. und Liza Minnelli, Ende der 1980er-Jahre in der Wiener Stadthalle.

An diesem Tag fuhr ich mit meinem Schulfreund Michael in die Wiener Stadthalle. Frank, Sammy und Liza gaben ihr groß angekündigtes "Ultimate Event"; ein Livekonzert im Rahmen ihrer – wie sich später herausstellen sollte – letzten gemeinsamen Welttournee.

Zunächst trat jeder einzeln auf. Das Showfinale bestritten sie dann gemeinsam. Michael wartete in einem Kaffeehaus auf mich – er hatte an der Abendkassa leider keine Karte mehr bekommen. Ich saß in der Konzerthalle. Ganz hinten. Ganz oben. Mit der vermutlich billigsten Eintrittskarte des Abends in der Hand, die ich zuvor um damals rund 600 Schilling (etwa 45 Euro) ergattert hatte. Von meinem Platz aus sah ich drei Punkte, die Lieder wie "My Way", "The Candy Man" und "New York, New York" sangen. Und ich dachte mir: Das sind sie wohl …

Ich bewunderte vor allem jenen Punkt, der sich meistens in der Mitte der Bühne aufhielt. Flankiert von zwei anderen Punkten. Als Punkt in der Mitte vermutete ich nämlich Frank Sinatra. Von den beiden ihn flankierenden Punkten hüpfte einer die ganze Zeit wie von Sinnen hin und her, also schloss ich daraus: Das ist die Liza Minnelli! Allen Gesetzen der Logik zu Folge, müsste es sich bei dem anderen flankierenden Punkt um Sammy Davis jun. gehandelt haben.

Etwa 50 Meter Luftlinie lag zwischen mir und den drei singenden Punkten, aber aus irgendeinem Grund hatte ich seit Jahren das dringende Bedürfnis, mit dem zentralen Punkt dort auf der Bühne zu sprechen. Aber wie?  Hinunter zum Bühnenausgang war ja alles abgesperrt. Security. Alarmstufe Rot!

Wenige Minuten vor Konzert-Ende verließ ich meinen Sitzplatz und machte mich auf den Weg nach unten, zur Bühne. Die aufgestellten "Wachposten" achteten gar nicht besonders auf mich, zu gut war offensichtlich das, was sich gleichzeitig auf der Bühne abspielte. Jedenfalls stand ich plötzlich ganz unten, beim Seitenausgang zur Bühne, wo die drei Showlegenden gleich hinausgehen sollten.

Schlussakkord! Show-Ende! XXL-Jubel in der Stadthalle. Und nun verwandelten sich die drei Punkte in drei immer größer werdende weltbekannte Persönlichkeiten, die geradewegs auf mich zukamen. Zuerst die Minnelli, dann Sammy Davis und dann – dann schritt der Hauptpunkt auf mich zu.  Wahrscheinlich hat Frank Sinatra in den 60 Jahren davor nie ein anderes Gesicht gesehen als "meines": Lächelnd, fix und fertig, den Mund weit offen, die Augen ganz groß – hysterisch applaudierend, restlos begeistert! Ich sah aus wie Mr. Bean, wenn er sich freut …

Und dann habe ich das gemacht, was zuvor schon Stars wie Eva Gardner und Marilyn Monroe bei Frank Sinatra gemacht haben: Ich habe Frank Sinatra in die Augen geschaut!  So blau waren sie! Und dann habe ich tatsächlich mit ihm gesprochen.

Ich sagte: "Super!"

Und auch Sinatra hat mit mir gesprochen. Denn er antwortete: "Thank you!" und ging, so wie seine beiden Kollegen auch, weiter.

Plötzlich kam ein ziemlich kräftig gebauter Mann (ungefähr 2,90 Meter groß und 400 Kilo schwer) geradewegs auf mich zu, und ich überlegte, wo ich den denn nun wieder hintun sollte. "Ist der gar auch ein Star …?"
Seinen Arm hatte der Riese in meine Richtung ausgestreckt – und ich dachte: "Will mir der jetzt die Hand schütteln?"

Von wegen …

Das war offenbar der Chef-Bodyguard!  Ich wurde ziemlich ruckartig zur Seite gedrängt und relativ laut nach meiner Backstage-Karte gefragt. Meine Antwort "Die muss ich wohl verloren haben" wirkte wohl nicht besonders überzeugend auf "Faxe Hulk Hogan" – und wir beide einigten uns darauf, dass ich den eigentlich abgesperrten VIP-Bereich binnen drei Hundertstel Sekunden wieder verlassen würde.

Als ich meinem Freund Michael, fünf Minuten später, im Kaffeehaus ganz stolz erzählte, dass ich mit Frank Sinatra sogar gesprochen hatte, fragte mich Michael reflexartig nach meinem Alkoholkonsum der vergangenen drei Stunden…

Dabei habe ich doch wirklich mit Frank Sinatra gesprochen – sogar auf Englisch! Ich meine: Mein ihm zugerufenes Wort "Super!" und Frank Sinatras ausführliche Antwort "Thank you!", das ist doch fast schon ein nicht enden wollender Dialog zwischen zwei Menschen, die sich einfach verstehen und mögen.

Jedenfalls war dieser Moment mit … ja, ich muss es so sagen … dieser Moment mit "meinem Freund" Frank Sinatra mit ausschlaggebend dafür, dass ich Journalist werden und Promis interviewen wollte.

"Momente mit Promis" (Inhaltsverzeichnis)

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