Hausbau-Tagebuch

Mein "Kampf" bei der Baubehörde

Super! Der Einreichplan ist gezeichnet. Doch, bevor wir für den Plan-Zeichner Geld gaben, ging meine Frau mit diesem Plan zur Behörde. Und zwar zu jener, die für die Wohnbauförderung zuständig ist. Wir wollten wissen, ob wir, wenn wir so bauen, die Wohnbauförderung auch tatsächlich ausbezahlt bekommen.
Die Antwort war eindeutig: "Nein!"

"Warum nicht?", wollte meine Frau wissen.
"Um etwa sechs Quadratmeter zu groß!"

"Warum zu groß? Was sollen wir ändern?"
Die Antwort war keine wirkliche Hilfe.
Na toll …!

Natürlich fand ich, dass dieser, von meinem Steuergeld finanzierte "Beamte", zu einer vollinhaltlichen, unmissverständlichen Begründung seiner konsequenten Weigerung verpflichtet ist. Ich rief ihn an. Doch der Magistrats-Bedienstete sah das keineswegs so. Er meinte relativ entspannt, mein Baumeister müsse doch wissen, wie er bauen darf, damit wir die Wohnbauförderung bekommen.

Ich entgegnete: "Sie, als Behörde, können mich doch nicht an irgendeinen Baumeister verweisen! Sie müssen mir doch Auskunft erteilen!"
"Tu ich eh", sagte die andere Seite.
Allerdings nur, so viel sie musste ...
Wir begannen, uns im Kreis zu drehen. Dann war das Telefonat beendet. Denn ich legte erzürnt auf.

Meine Frau und ich vermuteten einen ganz bestimmten "Fehler" im Plan; eine, an sich nicht restlos nachvollziehbare Kleinigkeit, und wir sagten zum Planzeichner: "Bitte, kostenlos umzeichnen! Denn das hätten eigentlich Sie wissen müssen!"
Gesagt. Getan.

Und dann tat ich das, was ein Mann einfach tun muss: Ich zog meine John Wayne-Cowboystiefel an, setzte meinen Cowboyhut auf, steckte meinen Colt ein ... Quatsch: Ich setzte mich ins Auto und fuhr hin zu diesem Beamten oder Vertragsbediensteten; was weiß ich. Entschlossen wie Old Shatterhand stieß ich seine Bürotüre auf, trat ein und breitete den, nun in einem Detail korrigierten, Plan auf seinem Tisch aus. Meine Augen funkelten ihn an: "Geht’s jetzt? Kriegen wir jetzt die Förderung? Und wenn nicht, warum nicht?"
Meine Hände ballten sich zu Fäusten.
Die Hauptschlagader trat aus meinem Hals und pochte wie wild.

Ich war dermaßen in Kampfesstimmung bei diesem Beamten – also, wenn da jetzt wer hinter mir ins Zimmer gekommen wäre, ich hätte mich wahrscheinlich umgedreht und ihm eine reingehaut. Einfach so. Genau, wie der Old Shatterhand damals in den berühmten Winnetou-Filmen.
Der Beamte aber sagte: "Ja, so geht es!"

Nun erklang in meinem Geiste die berühmte, friedvolle Winnetou-Melodie. Ich nahm meinen Plan, faltete ihn und reichte dem Beamten meine Hand zum Gruß. Meine rechte Augenbraue war hochgezogen. – Fast so, wie bei Old Shatterhand.
Für mich stand fest: Ich habe einen großen Kampf gewonnen. Ich lief die Treppen hinunter, schwang mich in meinen Straßen-Esel, achtete auf etwaige Verfolger, und fuhr zurück, direkt zu meiner Squaw.
Die ist jetzt natürlich wahnsinnig stolz auf mich.
Die nächste Hürde kann ruhig kommen!

PS: Wir waren deshalb etwas zu groß, weil ein 6,51 Quadratmeter großer Raum im ersten Stock als Abstellraum deklariert war. Hingegen, ein "Dachbodenzimmer" mit einer T-30-Türe wird offensichtlich nicht zu unserer Wohnfläche gezählt.

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