Hausbau-Tagebuch

Fertigteilhaus oder Ziegelhaus?

Der – damalige – Ist-Zustand:
Zwei Erwachsene (35+) und zwei Kinder (4 und 6 Jahre alt) in einer 60-Quadratmeter-Altbauwohnung auf Miete. Davon knapp die Hälfte Stauraum.
Der Soll-Zustand:
130 Quadratmeter Wohnfläche auf zwei Etagen in einem eigenen Haus mit Garten. Unser Traum!
Das Grundstück war bereits vorhanden! Grundstückpreis damals: ca. 240 Euro pro Quadratmeter.
Durch berufliche Unregelmäßigkeiten meinerseits musste der Haus-Traum immer wieder "um ein paar Monate" aufgeschoben werden. Das Leben ist eben eine Achterbahn.

Doch recherchiert haben meine Frau und ich all die Jahre hindurch. Das heißt: Mindestens 48 Kostenvoranschläge. 27 Haus-Modelle zeichnen – und dann wieder, von der jeweiligen Firma, gratis umzeichnen lassen. 287 eigene Haus-, Garten-, Pool-, Baum- und Blumen-Entwürfe. Dazu zwei "äußerst einfache" Hausbau-Computer-Programme, bei deren Handhabung sich meine Frau und ich vor lauter Ungeduld beinahe zerfleischt hätten. Unglaublich, zu welchen Kraftausdrücken wir beide fähig sind …

Im österreichischen Musterhauspark "Die blaue Lagune" waren meine Frau und ich so oft, so dass wir dort bereits als Fremdenführer arbeiten könnten.

Was ich sagen will: Meine Frau und ich, wir kannten uns wirklich aus damals! Wir wussten alles über die Baubranche. Wirklich alles! Das einzige, was wir noch nicht ganz genau wussten, ist, ob Fertighaus oder Ziegelmassivhaus. Beziehungsweise, ob Keller oder Dachboden als Stauraum. Bzw. ob ... na ja. Zugegeben: Das sind keine unwesentlichen Fragen vor einem Haus-Projekt.

Dafür – und jetzt beginnt das Tagebuch eigentlich erst… ­– wissen wir aber schon ziemlich genau, dass wir im Wohnzimmer nicht nur Fenster, sondern auch sehr viel Weiß haben wollen und zwei Kinderzimmer. – Die Kinderzimmer allerdings nicht im Wohnzimmer.
Unbedingt wollen wir eine möglichst unmöglich aufzubrechende Eingangstüre.
Meine Frau wünscht sich obendrein eine Küche in der Preiskategorie eines Mittelklassewagens. Der finanzielle Widerspruch: Ich wünsche mir einen Fernseher in der Größe eines Mittelklassewagens, mit Home-Cinema-System und "Dolby-Sehrlaut" – also etwas, das heutzutage doch viel wichtiger ist als eine Küche.
Und unsere beiden Töchter, die wünschen sich einen ... was wünschen die sich eigentlich? Ach ja: einen Pool! Wegen Eislaufen im Winter.

Hätten wir damals gleich eines der ersten Haus-Angebote, das uns keck ins Haus flatterte, angenommen, hätten wir wohl um etwa 130.000 Euro mehr bezahlt!
Das machen viele, ich weiß es. Aber durch unsere zähen Recherchen und unverbindlichen Preis-Verhandlungen sind wir jetzt bei jenem Preis angelangt, den unser Haus – aus unserer Sicht – kosten darf. Und dieser Preis ist uns wesentlich lieber.

Wir haben uns wirklich wunderschöne Fertighäuser angeschaut. Mal im Frühjahr. Dann wieder im Herbst. Herrlich! Doch beim Spaziergang an der "Alten Donau" in Wien – also ziemlich weit weg vom Fertighauspark – haben wir einmal hinter einem Zaun beobachtet, wie ein Mensch sein Fertighaus einfach abgerissen und in Stücke zerlegt hat.
Das mag nichts bedeuten. Klar. Aber uns hat das irgendwie gar nicht gefallen.

Dabei waren meine Frau und ich einst hellauf begeistert, wie günstig doch so ein Fertighaus ist. Ich sage es ganz ehrlich: Wir sahen dieses überaus "nett geschminkte" Häuschen und den damit verbundenen, lachhaften Preis in diesem bunten Werbefolder mit dem Titel „Aktion!“ – und wollten auf der Stelle unterschreiben fahren.
Jedoch: Irgend so ein, von einem Dritten hastig alarmierter, Spielverderber aus unserem Bekannten-Kreis hat uns dann eine kleine Aufstellung gemacht, welche Posten in diesem "sensationellen" Preis leider noch nicht enthalten sind.

"Wir brauchen ohnehin keinen Aushub und keine Fundamentplatte! Und die paar Zuleitungen zum Haus lege ich mir selbst", versuchte ich meinem alarmierten Bekannten anfangs noch zu entgegnen.
Aber seine Argumente wirkten einfach überzeugender – vor allem auf meine Frau. Komischerweise nickte ihr Kopf immer nur dann, wenn er sprach und ich schwieg.

Unser Bekannter erwähnte auch, dass man Fußböden und Stiegen eigentlich nur dann benutzen sollte, wenn auch ein Belag drauf ist.
Und er schwor Stein und Bein, dass ein Stiegen-Geländer absolut ein Ding der Notwendigkeit sei – vor allem dann, wenn man kleine Kinder hat. Und immer wieder buchstabierte er dieses hässliche Wort "Zusatz-Kosten".
Hm ...?

Als dieser Bekannte dann auch noch ungefragt zusammenfasste: "Zu diesem Preis im Werbefolder kommt wahrscheinlich etwa noch einmal das selbe dazu, bis alles wirklich fix und fertig ist!", habe ich ihn mit einer gedanklichen Rechten aus unserer 60-Quadratmeter-Wohnung hinausgeschmissen.
Und meine Frau gleich mit.
(Kleiner Scherz, Schatz.)

Derzeit tendieren meine Frau und ich zu einem Ziegelmassivhaus aus robuster Baumeister-Hand. Meine Frau tendierte eigentlich schon immer dazu. Ich immer wieder.
Unsere Vorstellung: Außen fix und fertig, inklusive Spengler-Arbeiten, Kamin und so. "Geschenkte" Küche brauchen wir keine. Auch die Alarmanlage suchen wir uns lieber selbst aus – allerdings erst dann, wenn auch etwas drinnen steht, in unserem Haus. Estrich, Innenputz und Spachtel-Arbeiten bitte im Preis mit inbegriffen.

Elektro-Leitungen und Sanitär-Installationen? Soll ebenfalls lieber irgendein Fachbetrieb machen (Stichwort: Versicherung). Ausmalen (weiß) und Fußböden (Ahorn oder so) verlegen können wir zwar nicht wirklich, wollen wir aber trotzdem selbst tun. Sanitär-Geräte kaufen wir sozusagen "Last-Minute" im Heimwerkerzentrum.
Einrichtung, Vorhänge, Blumenvase und Gartengestaltung? Kommt alles. Irgendwann!
Gartenzaun – sinnvoller Weise erst nach den Haubau-Arbeiten. Vielleicht macht’s ja in der Zwischenzeit ohnehin unser genervter rechter Nachbar.
In den nächsten Tagen werden wir den, uns zuletzt empfohlenen Baumeister zum ersten Mal persönlich treffen und ihn "interviewen".
Ich hoffe, er "überlebt" es...

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