"Momente mit Promis"

Als Siegfried Rauch mit mir über die Liebe und den Tod sprach…

Am 11. März 2018 starb der beliebte Schauspieler Siegfried Rauch 85-jährig nach einem Treppensturz. Etwa zwei Jahre vor seinem Tod führte ich mein letztes Interview mit ihm, dem legendären TV-„Traumschiff“-Kapitän „Fred Paulsen“.

Über seine große Liebe, seine um zehn Jahre jüngere Ehefrau Karin, mit der er 53 Jahre verheiratet war, erzählte mir Siegfried Rauch:

„Ich war Sänger, als ich sie kennenlernte. Ich erinnere mich: Ich habe damals speziell für sie ,I Can’t Give You Anything But Love, Baby‘ vorgesungen. Auf Deutsch heißt das: ,Ich kann dir nichts außer Liebe geben, Baby‘. Damals habe ich ja nicht viel gehabt: ein Fahrrad, eine Gitarre und eine Angel (lacht). Das war alles. Man hat halt diese Gitarre benutzt, um dem Mädchen, in das man verliebt war, eine Freude zu machen. – Indem man ihm was vorgesungen hat. Das ist heute, glaube ich, nicht mehr so. Heute geht das per Internet und E-Mail. Diese ganze Liebeserklärung war damals original, jetzt ist es nur digital. Wie es damals war, finde ich es irgendwie romantischer. Nach einem meiner Auftritte in einem Hotel habe ich sie zu ihr nach Hause begleitet und wollte vor ihrer Türe noch ein bisschen herumknutschen. Sie war damals noch sehr jung; 16 oder 17. Normalerweise wurde sie von ihrer um acht Jahre älteren Schwester begleitet, doch an diesem Abend war die Schwester bald müde und ging früher nach Hause. Das war natürlich meine Chance! Ich musste sie geradezu nach Hause begleiten. Ich kann doch so ein junges Mädchen nicht ohne Schutz durch den Wald gehen lassen. An der Haustüre fragte sie mich: ,Willst du noch reinkommen?' Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war wie paralysiert und habe mich brav hingesetzt. Dann stellte sie mir einen Hefezopf mit Butter und Marmelade sowie ein Glas Milch her. Ich sah sie fasziniert an und dachte mir: ,Dieses Mädchen ist etwas ganz was Außergewöhnliches.' Zum Knutschen bin ich gar nicht mehr gekommen, habe brav meinen Hefezopf gegessen und war in sie bis über beide Ohren verliebt. Ich dachte mir: ,Mein Gott, die hat ja sowas für längere Zeit. Mit so jemandem könnte man durchs Leben gehen.' Und so ist es dann auch gekommen. Mitunter singe ich ihr immer noch daheim vor. Es ist immer schön, einer Frau vorzusingen. Und sie mag es auch ganz gerne, wenn ich meine Gitarre raushole und singe. Wie damals, als wir uns kennen lernten, kann ich damit offenbar immer noch ihr Herz erobern. Das ist ein Stückchen, ein Mittel, mit dem man eine Ehe am Leben erhält und dass sie sich nicht totläuft, wie bei manchen anderen. Lieder wie ,Good Night Irene' singen meine Frau und ich daheim zweistimmig miteinander", so der Vater zweier Söhne und vierfache Großvater.

Haben Sie angesichts Ihrer Großfamilie eigentlich schon Vorkehrungen für die Zeit nach Ihrem Leben getroffen?, fragte ich ihn damals. Und Siegfried Rauch antwortete:

„Nein! Meine Familie drängt mich zwar dauernd, aber ich will kein Testament aufsetzen. Ich habe ihnen angeboten, dass ich zehn Blanko-Seiten unterschreibe und sie dann selber reinschreiben können, was sie wollen … (lacht) Da haben sie gesagt: ,Nein, das musst du machen!' Daraufhin habe ich gesagt: ,Nein, da ist dann vielleicht einer sauer auf den anderen.' Naja, aber ich muss es wohl irgendwann mal machen…"

Auf die Feststellung, dass er ein skandalfreies Leben führt, antwortete er mir ein anderes Mal: „Ja, leider… Aber Skandale machen, das kann ich einfach nicht. Das ist mir zu blöd. Ich hacke lieber Holz, anstatt dass ich durchs geschlossene Hotelfenster Möbel werfe. Beim Holzhacken kann man sich nämlich auch abreagieren."

Siegfried Rauch war einer meiner nettesten und natürlichsten Interviewpartner.

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